Vorbild ist, wie schon der Name zeigt, die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, die auf dem Wissen und den freiwilligen Beiträgen ihrer Nutzer aufbaut. Doch im Gegensatz zum großen Bruder richtet sich das Grundschul-Wiki explizit nicht an alle Internet-Nutzer, sondern ausschließlich an Lehrer und Kinder.
Nicht unbedingt wissenschaftlich korrekt
"Es ist ein Schonraum für Kinder, damit sie selbst ein Lexikon erarbeiten können", sagt der Grundschullehrer Martin Leupold, der die Kinder-Enzyklopädie initiiert hat. Seine Befürchtung: Am Ende wissen doch die Erwachsenen alles besser und korrigieren die Einträge so lange, bis sie echten Lexikon-Standards entsprechen, wie beim großen Wikipedia.
Nicht so beim Grundschul-Wiki: Hier werden zwar im Moment noch alle neuen Einträge überprüft, aber mit Rücksicht auf ihre Verfasser. Der Begriff "Loch im Universum" hat zum Beispiel seinen Platz im Lexikon gefunden, auch wenn der Ausdruck nicht wissenschaftlich korrekt ist.
Das Gleiche gilt für die Zeichnungen, die Kinder zu einem Beitrag dazustellen können und die, wie auch die Erklärungen, Rückschlüsse auf das Alter des Autors zulassen.
Die Beiträge sind daher auch ganz unterschiedlich. So wird das "Ahornblatt" anhand einer kleinen Geschichte beschrieben, während die "Lampe" mit einem einzigen Satz erklärt wird, und beim "Pudel" steht das aus Kindersicht Wichtigste gleich am Anfang: "Ein Pudel mag es zu spielen und gestreichelt zu werden."
Schon von der ersten bis etwa zur sechsten Klasse können Kinder mitmachen. Damit der Gedanke des Kinderlexikons erhalten bleibt und Beiträge nicht auf Erwachsenen-Niveau geschrieben oder gar mutwillig zerstört werden können, müssen sich die Autoren zuvor anmelden.
Die Kinder tragen ihr Wissen zusammen
Eigentlich sollen sich nur Gruppen von Kindern über ihre Betreuer registrieren lassen, zum Beispiel Lehrer für ihre Schulklasse und dann arbeiten alle gemeinsam mit dem Wiki. Aber auch Einzel-Anmeldungen sind möglich. Wenn ein Kind gern allein mitmachen möchte, sind die Eltern Ansprechpartner für die Wiki-Betreiber.
Aus pädagogischer Sicht schätzt Leupold die Idee des offenen Lexikons, an dem mehrere mitarbeiten, sehr:"Das lässt sich in jeden Unterricht einbauen", meint er. "Dabei wächst nicht nur das Online-Lexikon, auch die jungen Autoren haben etwas davon. Die Kinder tragen gemeinsam Wissen zusammen. Sie unterstützen und kontrollieren sich dabei gegenseitig." Denn die Einträge können ergänzt, korrigiert und verändert werden.
Seit gut einem Jahr ist das Grundschul-Wiki online. Getragen wird es von der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet, einer gemeinnützigen Initiative von Lehrern. Inzwischen gibt es 190 registrierte Benutzer, die 124 Lexikon-Einträge geschrieben haben. Das Kinder-Wissen trifft offenbar auf großes Interesse: Insgesamt wurden die Lexikon-Seiten 380 000 mal aufgerufen.
Zu den beliebtesten Einträgen gehören der Artikel über "Sudoku", der schon mehr als 18 000 mal angeschaut wurde, und der Eintrag "Hase", der mit Brille abgebildet wird. Aber einer der schönsten Artikel verbirgt sich hinter dem Stichwort "Prinz von Schneewittchen": "Hier ist der treue und starke Prinz von Schneewittchen. Er hat sehr viel Mut und bekämpft böse Räuber und Banditen. Aber auch manchmal böse Drachen. Mit seinem Pferd hat er schon viele Abenteuer erlebt und viele Wettkämpfe gewonnen."
Von Nicola Holzapfel; © sueddeutsche.de GmbH/Süddeutsche Zeitung GmbH

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