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Schulstress nimmt zu / Grundschüler verstärkt unter Leistungsdruck

Schon in der Grundschule fühlen sich viele Kinder überfordert. Immer mehr bekommen Nachhilfe. Erziehungswissenschaftler sprechen sich gegen eine Überfrachtung der Lehrpläne aus.




Eine Woche vor Beginn des neuen Schuljahres warnt Martin Depenbrock, Vorsitzender der Landeselternschaft Grundschulen NRW: „Der Druck auf die Kinder nimmt zu.“ Hauptgrund sei der Wunsch der Eltern, dass es ihren Kindern besser gehen soll als ihnen selbst – und sie auf alle Fälle das Abitur machten.

 

Dadurch erkläre sich auch der Anstieg der Übergangsquoten von der Grundschule aufs Gymnasium. Viele Eltern ließen jedoch außer Acht oder wüssten gar nicht, dass noch andere Wege zum Abitur führten – etwa über die Real- oder Gesamtschule oder das Berufskolleg.

 

„Viele Eltern sehen die Grundschule nur als Sprungbrett ins Gymnasium“, sagt auch Rixa Borns, Grundschulexpertin der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie berichtet von privaten Einrichtungen wie etwa in Münster, in denen die Kinder im Vorschulalter auf die Anforderungen der Grundschule vorbereitet werden: „Ich halte das für übertrieben.“ Nach Angaben der GEW bekommt bundesweit inzwischen jeder fünfte Grundschüler Nachhilfe. Im Süden Deutschlands, aber auch in NRW, sei der Druck wegen der verbindlichen Grundschulempfehlung für den Besuch einer weiterführenden Schule besonders groß.

 

Doch nicht nur die Kinder stünden unter Druck, sondern auch die Lehrer, gibt die Erziehungswissenschaftlerin Jutta Ecarius von der Universität Köln zu bedenken. Durch die Verkürzung der Schulzeit in NRW von 13 auf zwölf Jahre bis zum Abitur seien auch die Grundschulen zunehmend gehalten, mehr Leistung zu fördern.

 

Der Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin von der Universität Bonn warnt in diesem Zusammenhang jedoch vor einer Überfrachtung der Lehrpläne. Ihrem Alter und ihrer geistigen Entwicklung entsprechend seien die Grundschüler zumeist gar nicht in der Lage, komplexe Zusammenhänge, wie etwa beim Umweltschutz, zu durchschauen. Dennoch werde in den Grundschulen immer mehr draufgesattelt. Auch sei es abwegig, Schülern in diesem Alter etwa in Englisch „eine Sprachkompetenz vorzugaukeln, die sie noch gar nicht besitzen können“.

 

Für Ladenthin steht außer Frage, dass der Leistungsdruck auf die Grundschüler Krankheiten und auffälliges Verhalten wie Zappelei hervorrufen kann. Manche Eltern reagierten darauf mit der Verabreichung von Medikamenten, weiß Rixa Borns aus der Praxis zu berichten. Der kurioseste Fall von Leistungsdruck ist für sie jener Grundschüler, der am Tag seiner Einschulung ein T-Shirt mit der Aufschrift „Abitur 2019“ trug.

 

Quelle: Rp-Online


 
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