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Gesellschaft leidet an Zynismus und Gleichgültigkeit / Papst Benedikt: "Die Welt braucht Gott"

München (rpo). Die Gesellschaft leidet an ihrer Gleichgültigkeit gegenüber dem Glauben, sagt Papst Benedikt XVI. In seiner Predigt am Sonntagmorgen sprach er von einer "Schwerhörigkeit Gott gegenüber" und einem Zynismus, "der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht." Die Welt, sagte er, "braucht Gott".



Es gebe "eine Schwerhörigkeit Gott gegenüber, an der wir gerade in dieser Zeit leiden", sagte das Kirchenoberhaupt in seiner Predigt am Sonntagmorgen auf der Neuen Messe in München. "Wir können ihn einfach nicht mehr hören, zu viele andere Frequenzen haben wir im Ohr." Damit fehle den Menschen eine entscheidende Wahrnehmung und der Radius der Beziehung zur Wirklichkeit werde drastisch und gefährlich eingeschränkt.

 

Wo den Menschen nur Kenntnisse, Fertigkeiten, technisches Können und Gerät gebracht würden, bringe man zu wenig. "Dann treten die Techniken der Gewalt ganz schnell in den Vordergrund, und die Fähigkeit zum Zerstören, zum Töten wird zur obersten Fähigkeit, um Macht zu erlangen."

 

Glaube, Zuwendung und Liebe

Benedikt sagte, Bischöfe aus Afrika und Asien rühmten immer wieder die Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit der deutschen Katholiken, stießen aber auf Zurückhaltung, wenn es um Evangelisierungsprojekt gehe. Doch sei es gerade die Erfahrung dieser Bischöfe, dass die Evangelisierung vorausgehen müsse: "Dass der Gott Jesu Christi bekannt, geglaubt, geliebt werden, die Herzen umkehren muss, damit auch die sozialen Dinge vorangehen; damit Versöhnung werde; damit zum Beispiel Aids wirklich von den tiefen Ursachen her bekämpft und die Kranken mit der nötigen Zuwendung und Liebe gepflegt werden können."

 

Die Völker Afrikas und Asiens bewunderten die technischen Leistungen und die Wissenschaft des Westens. "Aber sie erschrecken zugleich vor einer Art von Vernünftigkeit, die Gott total aus dem Blickfeld des Menschen ausgrenzt und dies für die höchste Art von Vernunft ansieht, die man auch ihren Kulturen aufdrängen will."

 

Ehrfurcht vor Gott lernen

Nicht im christlichen Glauben sähen sie die eigentliche Bedrohung ihrer Identität, "sondern in der Verachtung Gottes und in dem Zynismus, der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht und Nutzen für zukünftige Erfolge der Forschung zum letzten ethischen Maßstab erhebt".

 

Dieser Zynismus sei nicht die Art von Toleranz und kultureller Offenheit, auf die die Völker warteten und die alle wünschten. "Die Toleranz, die wir dringend brauchen, schließt die Ehrfurcht vor Gott ein die Ehrfurcht vor dem, was anderen heilig ist." Dies setze aber voraus, dass man selbst die Ehrfurcht vor Gott wieder lerne.

 

"Die Welt braucht Gott. Wir brauchen Gott", sagte der Papst. "Wir verletzen nicht den Respekt vor anderen Religionen und Kulturen, die Ehrfurcht vor ihrem Glauben, wenn wir uns laut und eindeutig zu dem Gott bekennen, der der Gewalt sein Leiden entgegenstellt; der dem Bösen und seiner Macht gegenüber als Grenze und Überwindung sein Erbarmen aufrichtet.

 

Gebet in der Familie

Bei einer Vesper mit Erstkommunionkindern im Münchner Liebfrauendom sagte Benedikt XVI. am Sonntagnachmittag, der gemeinsame Gang zur sonntäglichen Eucharistiefeier sei keine verlorene Zeit, sondern halte die Familie zusammen und gebe ihr einen Mittelpunkt. Auch beim Essen und vor dem Einschlafen solle gebetet werden. Das Gebet sei Kraft des Friedens und der Freude.

 

An die Religionslehrer und Erzieher appellierte Benedikt XVI., die Frage nach Gott in der Schule zu thematisieren. Dies sei zwar in einer pluralistischen Welt schwer, aber es reiche nicht, wenn die Schüler nur Kenntnisse und technisches Können, aber keine Maßstäbe erlernten, die Kenntnis und Können Richtung und Sinn gäben. Die Seelsorger sollten dazu beitragen, dass die Pfarrei eine innere Heimat für die Menschen werde. Die "drei Lernorte" Familie, Schule und Pfarrgemeinde gehörten zusammen, so der Papst.

 

http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/politik/deutsch land/351256

 



 
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