Die Studie des Frankfurter Erziehungswissenschaftler Udo Rauin erfasst 1.100 nach einer Zufallsstichprobe ausgewählte Studierende an Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg. Seit 1995 wurden sie an vier Zeitpunkten ihrer beruflichen Laufbahn nach Fachwissen, Motivation und Eignung befragt: Zu Beginn des Studiums, nach sechs Semestern, am Ende des Referendariats und nach etwa vier Jahren im Beruf.
Die Studie unterscheidet drei Typen von Studierenden:
- "riskant Studierende" (27 Prozent), die ihre Eignung für Studium und Beruf von Beginn an sehr skeptisch einschätzen, unzufrieden mit dem Studium sind und sich nur mangels Alternativen dafür entschieden haben. Sie gaben sich selbst schlechte Noten bei beruflicher Eignung, Motivation, Engagement und Fachwissen.
- "Engagierte" (knapp 38 Prozent), die in nahezu allen Bereichen positive Werte erreichen, ihren Zeitaufwand für das Studium sehr viel höher einschätzen als die beiden anderen Gruppen, im Studium intensiv mitarbeiten und mit Kommilitonen kooperieren. Sie bewerten ihre persönliche Eignung ebenso positiv wie ihre Zufriedenheit mit dem Studium.
- "Pragmatiker" (35 Prozent), bei denen pragmatische Motive die Studien- und Berufswahl überwiegen. Ins Studium integrieren sie sich vor allem über soziale Beziehungen zu Kommilitonen und weniger über die Mitarbeit oder themenbezogene Kooperation. Dieser Typus investiert weniger Zeit ins Studium als der engagierte und ist nur mäßig zufrieden mit dem Studienverlauf, auch wenn er das Studium nicht als Notlösung ansieht. Seine persönliche Belastbarkeit und Eignung schätzt er nur durchschnittlich ein.
Etwa 25 Prozent der befragten Studienanfänger wollten eigentlich nie Lehrer werden und sahen die Studienwahl als Notlösung. Fast die Hälfte dieser Gruppe stieg aus, sobald sich eine Alternative ergab, die übrigen machten allerdings weiter. Die Autoren der Studie waren überrascht, wie groß der Anteil der für den Beruf ungeeigneten Typ-1-Studierenden war, die sich tatsächlich beruflich etablieren konnten.
Burn-Out trifft nicht nur die Engagierten
Vom Burn-Out-Syndom bei Lehrern sind laut der Studie nicht wie bisher angenommen vor allem besonders engagierte Pädagogen betroffen, die an der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit scheitern. Die Studie zeigt stattdessen, dass etwa 60 Prozent der Lehrer, die sich den Ansprüchen des Berufs nicht gewachsen fühlen, bereits im Studium überfordert und wenig begeistert waren. Von den engagierten Studenten fühlten sich später im Beruf dagegen nur zehn Prozent überlastet.
Bei der Befragung nach vier Berufsjahren zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Studiertyp und dem Ausmaß berufstypischer Belastungen: Etwa zehn Prozent der in dieser Phase Befragten waren zu diesem Zeitpunkt bereits stark überfordert. Von diesen hatten sich allerdings 60 Prozent bereits während des Studiums den Anforderungen nicht gewachsen gefühlt und waren wenig engagiert. "Mit anderen Worten, die über besondere Belastungen Klagenden haben vermutlich nie 'gebrannt'", heißt es in der Studie.
Quelle: RP-Online

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