„Das Fazit ist niederschmetternd: Die schulische Unterstützung ist weiterhin gering, die Diagnostik kommt nach wie vor oft zu spät und viele Familien werden mit den Schwierigkeiten alleingelassen", meint Michael Kortländer, Psychologe und Initiator des Online-Projekts LegaKids.
Grundlegende Schwierigkeiten im Umgang mit den Buchstaben könnten von Lehrkräften bereits in der ersten, spätestens in der zweiten Klasse wahrgenommen werden. Doch etwa 50 % der Kinder mit LRS werden erst nach der 2. Klasse erkannt. Und nur bei 20% sind es Lehrkräfte, die Eltern auf eine eventuelle LRS aufmerksam machten. Wichtige pädagogische Hilfen und Unterstützung werden so verzögert. Die dadurch eintretenden Folgeprobleme schränken die Lern- und Leistungsfreude der Kinder ein und gefährden damit eine gesunde Entwicklung.
Nur 6 % aller Eltern halten LRS für eine Krankheit - aber knapp 40 % der Eltern wären bereit, ihr Kind als "krank" diagnostizieren zu lassen, um finanzielle Förderung, einen Nachteilsausgleich in der Schule oder eine Legasthenie-Therapie zu bekommen. Hier wird ersichtlich, wie groß die Not vieler Eltern ist, deren Kinder mit dem verordneten „Lerngleichschritt“ nicht zurechtkommen.
25% der Kinder mussten aufgrund der LRS eine Klasse wiederholen und 20 % der Kinder waren aufgrund mangelnder Unterstützung seitens der Schule gezwungen, die Schule zu wechseln. Diese Zahlen verdeutlichen, wie schwerwiegend sich im deutschen Bildungssystem eine LRS / Legasthenie auf die schulische Laufbahn auswirken kann. Sie zeigen gleichzeitig, wie wenig die innerschulischen Unterstützungssysteme greifen.
Kortländer ist überzeugt: „Die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben ist Voraussetzung für schulischen Erfolg und letztlich für eine gelingende Alltagsbewältigung. Solange Kinder hier nicht ausreichend gefördert werden, kann man nicht von erfolgreicher Bildungspolitik sprechen. Auch wenn manche Kinder sich mit den Buchstaben besonders schwer tun, können sie mit der richtigen Förderung lesen lernen - das gilt auch für ‚Legastheniker’."
Geduld und Gelassenheit, dazu raten viele Eltern: Die Lese-Rechtschreibprobleme des Kindes sollten nicht zu viel Raum im Alltagsleben einnehmen und dürfen die Beziehung zum Kind nicht belasten. Ein exemplarisches Elternzitat: "Nie die Geduld und den Glauben an ihr Kind verlieren. Ihr Kind so gut wie möglich bestärken und seine anderen Fähigkeiten hervorheben und fördern.“
„Viele Eltern beklagen, dass mangelnde Lese- und Rechtschreibkompetenzen vorrangig mit einem Versagen oder einer Störung des Kindes erklärt werden. Bildungspolitisch gravierende Mängel - wie z.B. eine unzureichende didaktische Ausbildung der Grundschullehrkräfte im schriftsprachlichen Bereich - werden letztlich von Politik und Legasthenie-Forschung ignoriert. Daher hat ein großer Teil der Eltern den Glauben an eine kindgemäße Bildungspolitik verloren", bedauert Kortländer.
Die vollständige Auswertung finden Sie (auch als PDF) unter:
http://www.legakids.net/eltern-lehrer/elternumfrage-2009/
Pressekontakt:
Michael Kortländer
Bothmerstraße 20
80634 München
Tel.: 089 – 130 136 00
E-Mail: rundbrief@legakids.net
Internet: www.legakids.net
Zu Legakids.net
LegaKids.net ist eine Non-Profit-Initiative der Psychologen Dr. Britta Büchner und Michael Kortländer. Das für alle Nutzer kostenlose Onlineprojekt richtet sich an alle, die Hilfestellung zum Umgang mit und Informationen über LRS, Legasthenie, Lese-/Rechtschreib- und Rechenschwäche suchen. 2007 wurde LegaKids.net Bundessieger des start-social-Wettbewerbs sowie mit dem Sonderpreis der Bundeskanzlerin ausgezeichnet und erhielt das Pädi-Gütesiegel in der Kategorie Kinder.


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