Schon heute nutzen viele Computeranwender sogenannte Software on demand, ohne es zu wissen. Wer seine E-Mails nicht mit Programmen wie "Outlook", sondern über die Benutzeroberfläche von Anbietern wie AOL, GMX oder anderen Providern verwaltet, hat die entsprechende Software gar nicht auf seinem eigenen Rechner liegen. Die Provider stellen vielmehr die Programme über das Internet zur Verfügung. Die Kunden greifen lediglich über das Netz zu.
"Thin clients" statt Server
In Zukunft, so Informatiker, werden vermutlich die meisten Programme online angeboten. Denn das habe für Anbieter wie Kunden Vorteile. So könnte neue Software schnell und unkompliziert getestet werden. Und Anwender müssten sich keine teuren Computer und Softwarepakete mehr anschaffen. Man mietet einfach nur die gewünschten Programme und zahlt monatlich eine entsprechende Gebühr. Dafür reichen deutlich abgespeckte Maschinen, sogenannte "Thin Clients".
Verwaltung online
Interessant dürfte dieses Konzept für mittelständische Unternehmen sein. Schon jetzt bieten IT-Dienstleister wie "Collmex" eine komplette Datenverwaltung an. Kleine Firmen können hier ihre gesamte Buchhaltung, aber auch die Auftragsbearbeitung oder die Warenwirtschaft erledigen. Sogar einen eigenen Online-Shop stellt "Collmex" bei Bedarf zur Verfügung. Ein entscheidender Vorteil ist auch die Datensicherung. Das Finanzamt verlangt beispielsweise regelmäßige Backups sowie ein ausgelagertes Speichermedium für den Brandfall. IT-Dienstleister können da helfen. Das ist praktisch, aber nicht unproblematisch.
Sensible Daten
Gerade Buchhaltungsdaten sind sehr sensibel und enthalten Informationen, die nicht jedermann zugänglich sein dürfen. Zwei mögliche Schwachpunkte hat Software on demand. Gefährlich für intime Daten ist erstens immer der Übertragungsweg, also das Netz selbst.
Hier gibt es jedoch mittlerweile gute Verschlüsselungsprogramme. Zweitens müssen die Softwareanbieter Missbrauch verhindern. Schwierig ist das vor allem, wenn die Daten nicht nur gespeichert werden. Für die Online-Verarbeitung von Daten existieren eine Reihe von neuen Techniken aus der Kryptographie, doch gibt es hier noch reichlich Entwicklungsbedarf.
Ein Memorystick reicht
Dennoch gehen viele Informatiker davon aus, dass die heutigen, hoch gezüchteten PCs in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören werden. Der Computer der Zukunft braucht als Software dann nur noch ein Betriebssystem und einen Web-Browser. Für Professor Martin Wirsing von der LMU München, der an Lösungen für Online-Software arbeitet, hat die Zukunft schon begonnen: "Ich habe so eine kleine Platte, die ist fünf mal zehn Zentimeter. Die habe ich immer in der Tasche und mit der reise ich durch die Welt." Mehr als einen Internetzugang braucht der Informatiker nicht mehr.
http://www.br-online.de/wissen-bildung/artikel/0710/24-software-on-demand/
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