Das Gericht verwies auf die gesetzlichen Bestimmungen des Nichtraucherschutzes und merkte an, auch wenn ein separates Raucherzimmer optisch nicht auffiele, könnte es dennoch bei den Schülern als ‚Privileg’ für Lehrer verstanden werden. Die Vorbildfunktion des Lehrers sieht das Gericht vielmehr dann erfüllt, wenn dieser „in Kenntnis der Umsetzung des Rauchverbots“ das Schulgebäude zum Rauchen verlässt und nicht privilegiert ist, in einem separaten Raum zu rauchen."
So weit, so gut.
Aber schauen wir uns einmal einen typischen rauchenden Kollegen in seiner Situation an. Nennen wir den Kollegen einfach Franz K., - er ist ein klassischer Vertreter der Spätachtundsechziger, unterrichtet Mathe und Physik an einer Gesamtschule, die Haare und der Vollbart sind weiß, und seine Zigaretten dreht er seit der Studentenzeit selber.
"Endlich" ist die große Pause da. Der Nikotinspiegel ist nach zwei Stunden Unterricht so gesunken, dass der Körper dringend nach einer Zigarette verlangt. Er verlässt das Schulgebäude und geht zu seinem Auto auf dem Lehrerparkplatz. Dort öffnet er die Heckklappe seines klapprigen Opels, greift in den Kofferraum nach einem Campingstuhl, den er dann vor das Auto stellt. Aus dem Kofferraum holt er nun noch seine Thermokanne mit Kaffee hervor und zündet sich genüsslich seine selbstgedrehte Kippe an.
Es dauert nicht lange und die ersten Schüler begrüßen, wie jeden Tag, den Kollegen Franz K. mit einem herzlichen "Na, Herr K. :-)) - wie schmeckt denn heute die Zigarette?" Mit einem freundlichen "Haut ab, ich habe jetzt Pause", ist die Situation behoben und die Schüler trollen sich, natürlich rauchend, in ihre Raucherecke.
So geht das nun jeden Tag, auch im Winter, nur dass Franz K. dann doch lieber in seinem Auto sitzt und bei frostigen Temperaturen auch noch den Motor laufen lassen muss, um keine Frostbeulen zu bekommen.
Ja, liebe Leserinnen und Leser, so sieht das für einen Raucher in der Schule aus. Mir stellt sich nun die Frage, ist es sinnvoll – wie es das Nichtraucherschutzgesetz nach Meinung des Gerichts fordert -, dass sich rauchende Kollegen nun öffentlich zur Schau stellen müssen wie die Affen im Zoo? Ist das nicht doch eine Einschränkung der persönlichen Freiheit? Und was ist mit der Vorbildfunktion in diesem Falle? Im Raucherzimmer hatten die Schüler früher keinen Zutritt, der Lehrer hatte seine wohlverdiente Ruhepause, und die Schüler wussten zwar unter Umständen, welcher Lehrer raucht und wer nicht, aber sie konnten nun einmal nicht zusehen. Ich frage mich auch, ob es menschenwürdig ist, auf dem Parkplatz in seinem Auto seine Zigarettenpause machen zu müssen. Von der fehlenden Kommunikation mit anderen Kollegen in der Pause will ich gar nicht erst reden.
Jetzt zünde ich mir, nach diesem Editorial, erst einmal eine Zigarette an und denke an Franz K.!
Ein angenehmes Wochenende wünscht Ihnen,
Jürgen Spaniol, Redaktion TeachersNews


Österreich
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