„Herr Prof. Prenzel widerspricht mit seinen Aussagen nicht nur der vieltausendfachen täglichen Erfahrung von Lehrkräften aller Schularten. Er stellt sich damit auch in Opposition zu aktuellsten Forschungsergebnissen und zu eindeutigen Aussagen von PISA-Forschern. Selbst der offizielle PISA-Bericht 2000 widerspricht ihm unzweideutig“, betont Schmidt.
Eine Anfang 2008 von einem Wissenschaftler-Team der TU München um Prof. Dr. Robert K. von Weizsäcker veröffentlichte Studie hat wieder bestätigt, dass zwischen der Anzahl der Schulstunden und dem Abschneiden der einzelnen Bundesländer bei PISA ein enger Zusammenhang besteht. Im TUMagazin führen sie aus, dass eine Aufstockung des wöchentlichen Unterrichtsvolumens um eine Zeitstunde zu einer Verbesserung bayerischer PISA-Testergebnisse um zwei Plätze führen könnte. Wörtlich heißt es: „Am Beispiel Bayerns betrachtet, hätte diese Maßnahme zu einer Verbesserung um zwei Ränge im OECD-Ranking der mathematischen Kompetenz und damit zu einem Platz Bayerns unter den besten drei Nationen knapp hinter Finnland und Korea geführt.“ Wissend um diesen Zusammenhang hätten daher die Bundesländer Bremen und Nordrhein-Westfalen „als strategische Reaktion auf den PISA-Schock 2000“ ihre Lehrplanstunden in Mathematik um zehn bzw. fünf Prozent erhöht.
Diese neuesten Forschungsergebnisse stimmen überein mit Aussagen des Leiters des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung Prof. Dr. Avenarius (Frankfurt) und Prof. Dr. Helmut Fend (Zürich). Beide sehen ebenfalls kausale Zusammenhänge zwischen dem Unterrichtsvolumen und dem Lernerfolg von Schülern. Direkt mit der PISA-Studie befasste Wissenschaftler wie Dr. Cordula Artelt weisen auf das niedrige deutsche Unterrichtsvolumen in wichtigen Fächern hin. Artelt schreibt: „Bei einem Vergleich mit den in PISA getesteten Bereichen zeigt sich allerdings, dass die Unterrichtszeiten für Deutsch und Mathematik deutlich unter dem internationalen Standard liegen. (...) Diese Differenzen sind nicht unerheblich: Wollte man sie in Schulstunden (à 45 Minuten) umrechnen und über neun oder zehn Schuljahre addieren, käme man bei vier Wochenstunden pro Fach auf ein Minus von mehr als einem Schuljahr im Sprachunterricht und mehr als einem halben Jahr im Mathematikunterricht.“ Aus diesem Grund mahnt der PISA-Bericht 2000 denn auch: „Betrachtet man dieses Ergebnis im Zusammenhang mit den Leistungen der in Deutschland getesteten Schülerinnen und Schüler, wird deutlich, wie wichtig es ist, den vorgegeben zeitlichen Rahmen einzuhalten und sinnvoll zu nutzen.“
Als selektiv und nicht verallgemeinerbar bezeichnet der bpv-Vorsitzende Prof. Prenzels als Beleg angeführten Verweis auf die Ergebnisse der TIMSS-Studie: „Die Feststellung, dass bei TIMSS keine messbaren Fortschritte von Klasse 12 zu Klasse 13 gemacht wurden, stimmt nur für das von Prenzel genannte Fach Mathematik. Er lässt unerwähnt, dass dagegen in Physik sehr wohl deutliche Zuwächse zu verzeichnen waren.“ Auch im Fach Englisch hat eine weitere, 2005 veröffentlichte Untersuchung des ersten PISA-Chefs Prof. Jürgen Baumert und des Leiters des Instituts für Qualität im Bildungswesen Prof. Olaf Köller einen großen Leistungszuwachs von der 12. zur 13. Jahrgangsstufe konstatiert.
Schmidt abschließend: „Entgegen allem, was das Interview glauben machen will, lassen Forschungsergebnisse und die Erfahrung von Lehrkräften nur den Schluss zu: Stundenreduzierungen sind nicht ad ultimo durch pädagogische oder didaktische Umstellungen im Unterricht zu kompensieren.“
Für den Inhalt verantwortlich:
Peter Missy, Pressesprecher des bpv, E-Mail: pressestelle@bpv.de, Tel. 089/74 61 63 13


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