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Längere gemeinsame Schulzeit verstärkt soziale Disparitäten und bremst Lernentwicklung aller Kinder

Neue Berliner Studie mit 4700 Schülern bestätigt bisherige Befunde - Die Verlängerung der Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre schadet allen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Dies hat die von Prof. Dr. Rainer Lehmann im Auftrag des damaligen Berliner Bildungssenators Böger (SPD) durchgeführte ‚Element-Studie’ nach dem Vergleich von 4700 Grundschülern  und Gymnasiasten aus vier- und aus sechsjährigen Grundschulen ergeben. 




In einem heute erschienenen Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT zieht Prof. Dr. Lehmann folgendes Ergebnis dieser vor fünf Jahren begonnenen Untersuchung: „Bei gleicher Ausgangslage lernen Schüler an Gymnasien weitaus mehr als an Grundschulen. (...) Selbst wenn man sich Schüler mit vergleichbarem Elternhaus, Bildungs- und Migrationshintergrund anschaut, gilt: Die Gymnasiasten haben sich am Ende der sechsten Klasse so stark abgesetzt, dass sie zwei Jahre Lernvorsprung haben. (...) Der Lernfortschritt an Gymnasien ist übrigens nicht nur im oberen Drittel höher, sondern in allen Leistungsgruppen. Vom offenbar anspruchsvolleren Lernklima dort profieren selbst die (...) Lernschwächeren.“ Schon eine frühere, von Prof. Dr. Roeder durchgeführte Untersuchung mit Gymnasiasten, von denen ein Teil eine vierjährige, ein anderer eine sechsjährige Grundschule besucht hatte, hatte eindeutig festgestellt: „Unübersehbar zeigen sich deutliche Leistungsvorteile der Gymnasiasten aus den Bundesländern mit vierjähriger Grundschule.“

 

Qualifizierte Gymnasialehrerausbildung schafft Leistungsvorteile für Schüler

 

Die weitaus schlechteren Ergebnisse in der sechsjährigen Grundschule seien, so macht Prof. Dr. Lehmann im weiteren Verlauf klar, auch eine Folge davon, dass Gymnasiallehrer über eine bessere fachdidaktische Ausbildung für die Klassen fünf und sechs verfügten. Dieser Befund bestätigt übrigens Ergebnisse der vom ersten deutschen PISA-Leiter und ehemaligen Leiter des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung Prof. Dr. Jürgen Baumert geleiteten COACTIV-Studie.

 

Auch kein Abbau sozialer Disparitäten durch längere gemeinsame Schulzeit

 

Mit ihren desillusionierenden Ergebnissen über die vielfach behauptete Möglichkeit, mit einer längeren Grundschulzeit oder Gesamtschulen wenn schon nicht das allgemeine Leistungsniveau zu heben, so doch wenigstens soziale Disparitäten abbauen zu können, bestätigt die ‚Element-Studie’ ebenfalls bereits vorliegende Forschungsergebnisse: „Wenn die Schüler länger zusammen lernen“, so Prof. Lehmann, „führt das keineswegs notwendigerweise dazu, dass soziale Disparitäten abgebaut werden.“ Ganz im Gegenteil gelte für die sechsjährige Grundschule: „Im Untersuchungszeitraum ist der statistische Zusammenhang zwischen Leistung und Herkunft gestiegen.“ Eine ähnlich ernüchterte wie ernüchternde Bilanz über die Möglichkeiten einer längeren gemeinsamen Schulzeit hatte vor wenigen Monaten der Bildungsforscher Prof. Dr. Helmut Fend gezogen. Als Resultat seiner  Langzeitstudie mit über 1500 Teilnehmern sagt er: „Die Gesamtschule schafft unterm Strich nicht mehr Bildungsgerechtigkeit als die Schulen des gegliederten Schulsystems – entgegen ihrem Anspruch und entgegen den Hoffnungen vieler Schulreformer“. Zum selben Ergebnis kommt übrigens auch das Berliner Max-Planck-Institut in einem Bericht über das deutsche Bildungssystem. Weitere Untersuchungen zum englischen Schulsystem zeigen ebenfalls, dass sich im dortigen integrierten Gesamtschulsystem die sozialen Disparitäten zwischen den Bevölkerungsschichten noch verstärkt haben.

 

Gesamtschule vergrößert Probleme – Wege zu echter Besserung längst bekannt

 

Die erdrückende Beweislast über die negativen Effekte einer längeren gemeinsamen Schulzeit, die von den vorliegenden Untersuchungen mit etlichen tausend beteiligter Kinder ausgehen, müssen für die deutsche Politik und die deutsche Debatte um grundlegende Änderungen in unserem Schulsystem Konsequenzen haben, forderte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Max Schmidt: „Nach diesen wissenschaftlichen Ergebnissen darf sich kein Befürworter einer längeren Grundschulzeit oder eines Gesamtschulsystems mehr auf das Kindeswohl berufen. Die für eine längere Grundschulzeit nachgewiesenen gravierenden Lern- und damit Wettbewerbsnachteile für junge Menschen und das Versagen der Gesamtschulen beim Ausgleich sozialer Disparitäten wie bei der sozialen Integration sollten nun die Bestrebungen beenden, in Deutschland Gesamtschulmodelle zulasten des gegliederten Schulwesens einzuführen. Wirksame Rezepte zu echten Verbesserungen für unsere Schüler sind längst bekannt: Konsequente Früh- und Sprachförderung gerade für Benachteiligte, klare Leistungsorientierung, eine qualitätsvolle Lehrerbildung für alle Schularten und bessere personelle und materielle Rahmenbedingungen für das Lernen und Lehren an unseren Schulen.“

 

Für den Inhalt verantwortlich:

Peter Missy, Pressesprecher des bpv,

E-Mail: pressestelle@bpv.de, Tel. 089/74 61 63 13

 


 
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