Auch wenn der Südweststaat im Bildungsmonitor insgesamt deutlich besser als andere Bundesländer abschneidet, werden wegen beruflicher Überlastung noch immer zu viele Lehrer viel zu früh dauerhaft krank oder schließlich ganz dienstunfähig.
Über die Ergebnisse der Studien zu den Belastungen im Lehrerberuf - u.a. Prof. Joachim Bauer (Freiburg), Prof. Uwe Schaarschmidt (Potsdam), und Prof. Andreas Weber (Erlangen) - hat sich niemand gewundert, der sich selber jahrelang durch die Mühlen des Schulalltags hat drehen lassen. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Veröffentlichungen über die enormen Anforderungen und die daraus resultierenden psychischen und physischen Verschleißerscheinungen im Lehrerberuf endlich von den Medien sehr ernst genommen und nicht mehr mit dem sonst üblichen Spott über die „pädagogischen Jammerlappen“ begleitet worden sind.
Der VBE-Landeschef ereifert sich: „Jeder weiß, dass sich die Probleme in den Schulen vervielfacht haben. Die Zahl verhaltensauffälliger Schüler hat beängstigend zugenommen. Psychosomatische Störungen, Mobbing, Gewalt, Depressio-nen, Sprachstörungen, Gleichgültigkeit, Verweigerungshaltungen und Medika-mentenmissbrauch spielen zunehmend auch im Schulalltag eine unrühmliche Rolle. Aber noch immer weigert sich das Kultusministerium hartnäckig, die riesige psychische Belastung, der die Lehrerschaft permanent ausgesetzt ist, wirklich ernst zu nehmen und wirkungsvolle Schutzmaßnahmen zu ergreifen.“
Große Klassen sind nach Ansicht der Wissenschaftler vor allem dann ein Belastungsfaktor, wenn Unterricht von schwierigen Schülern immer wieder gestört wird und gleichzeitig das Deputat der Lehrer sehr hoch ist. Diese Kombination wird von allen Pädagogen, auch von den gesünderen und robusteren, als äußerst belastend erlebt.
Die Fülle der Erwartungen an die Lehrer steigt stetig. Die meisten sehen in den Schulen mehr oder weniger gut sortierte Bildungs- und Betreuungsfachgeschäfte mit qualitativ hochwertigen Angeboten und einem Personal, das möglichst zwölf Stunden am Tag stets gesund und klaglos zu Diensten sein soll - und das, ohne dabei die öffentlichen Kassen finanziell mehr in die Pflicht zu nehmen.
„Lehrer sind keine pädagogischen Allzweckreiniger, die neben ihrem schulischen Bildungsauftrag auch noch sämtliche gesellschaftlichen Werte- und Erziehungsdefizite bei den Schülern ausbügeln“, schimpft Karg. Manche Lehrer akzeptierten auch für sich nur schwer, dass sie die persönlichen, familiären und sozialen Probleme ihrer Schüler nicht ohne zusätzliche Hilfen lösen können.
„Jetzt müssen endlich die Arbeitsbedingungen an den Schulen so verändert werden, dass ein optimaler Arbeits- und Gesundheitsschutz möglich ist“, fordert der VBE-Chef, der allen Verantwortlichen drei Merksätze ins Hausaufgabenheft schreiben möchte:
- „Solange es den Lehrern schlecht geht, kann es der Schule nicht gut gehen.
- Nur wenn die Leistungsfähigkeit der Pädagogen über lange Zeit erhalten bleibt, kann auch die Schule leistungsfähig sein.
- Nur wenn die Schule die Gesundheit der Lehrkräfte nicht gefährdet, kann diese staatliche Institution auf Dauer gesund sein.“
30. Dezember 2007
Quelle: VBE-Baden-Württemberg
http://www.vbe-bw.de/pressemit/2007/2007_dez/gesundheit12_07.htm

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