„Am Anfang hab ich gedacht: Hier bleibe ich nur bis zum Vordiplom.“ Als
Mathias Spans im Jahr 1999 von der ZVS einen Platz für den Studiengang
Architektur an der TU Cottbus zugewiesen bekam, war er alles andere als
begeistert. „Ich bin nach Cottbus gefahren und habe erstmal einen Schreck
bekommen. Die Stadt ist klein und so weit weg von zu Hause.“ Geboren ist
Mathias Spans in Köln, in Essen aufgewachsen, in Aachen hatte er mit dem
Studium begonnen. „Bauingenieur-Wesen, solang ich auf den Architektur-Platz
warten musste.“ Heute sagt der 30-Jährige, der in Cottbus kurz vor dem Diplom
steht, dass es eine gute Entscheidung war, nach Ostdeutschland zu gehen. „Eine
kleine Uni wie Cottbus bietet eine sehr viel bessere Betreuung, als die großen
Hochschulen im Westen.“
Etwas weniger als 5000 Studierende hat die TU Cottbus, die meisten kommen
aus dem Umland zwischen Berlin und Dresden. „In unseren internationalen
Studiengängen wie etwa ,Environmental and Resource Management’ oder im
zulassungsfreien Studiengang Architektur haben wir viele Studierende aus dem
ganzen Bundesgebiet und dem Ausland“, sagt Marita Müller, Sprecherin der TU.
„Wir haben generell keine NC’s, alle unsere Fächer können noch wachsen.“
Tolle Ausstattung
Neben der guten Betreuung durch die Professoren ist Mathias Spans besonders
von der Ausstattung der Universität begeistert: „Jeder Architektur-Student
bekommt in einem Atelier seinen eigenen Schreibtisch, auf dem er entwerfen kann
und zu dem er 24 Stunden Zugang hat.“ Ein weiterer Vorteil sei, dass man in
Cottbus schnell viele Leute kennen lerne und sich die Stadt immer weiter
entwickle. „Ich rate jedem, sich die Uni erstmal anzusehen“, sagt der
30-Jährige. „Solche guten Studienbedingungen haben die westdeutschen
Hochschulen nicht zu bieten.“
Die 23-Jährige Sabrina Flörke aus Meckenheim bei Bonn studiert im fünften
Semester Architektur in Cottbus - obwohl auch sie zunächst nach Aachen gehen
wollte. „Dann habe ich aber an so genannten Testtagen in Cottbus teilgenommen
und die Uni hat mich überzeugt.“ Auch wenn die Stadt sie eher abschreckte: „Man
kann hier sehr intensiv studieren, es gibt wenig Ablenkung“, sagt Sabrina. So
weit weg von der Heimat und den Freunden zu sein, sei auch schwierig. „Aber
hier studiert man in einer Art Klassenverband und kennt viele Leute, die einen
unterstützen.“
Pluspunkt: Junge Professoren
Die gute Betreuung sei einer der ganz großen Pluspunkte der kleinen
Universitäten in Ostdeutschland, findet auch Gero Federkeil, zuständig für die
Hochschulrankings beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). „Außerdem ist es
einigen Hochschulen in Ostdeutschland gelungen, junge Professoren zu berufen,
die sich stark in der Lehre engagieren.“ Hochschulen wie Cottbus oder Chemnitz
seien nach der Wende finanziell gut ausgestattet worden. „Cottbus hat eine neue
Bibliothek bekommen, und gerade in den technischen Fächern sind alle Geräte auf
dem neuesten Stand.“
Uta Ahrens studiert an der TU Chemnitz Germanistik. Sie kommt aus
Ludwigshafen am Rhein. „Ich bin 1999 nach Chemnitz gegangen, um weit von zu
Hause weg zu sein. Außerdem halte ich es für wichtig, dass man Ostdeutschland
besser kennen lernt.“ Bewusst entschied sich Uta Ahrens gegen Leipzig und
Dresden, wollte eine kleine Uni, an der auch das Fach Germanistik nicht
überlaufen ist. „Chemnitz ist inzwischen mein Zuhause geworden“, sagt die
29-Jährige. Langsam kämen immer mehr Studenten aus Westdeutschland. „Wegen der
ZVS, aber auch wegen der vielen neuen und attraktiven Studiengänge
hier.“
Mathias Spans und Sabrina Flörke werden nach ihrem Abschluss nicht in Cottbus bleiben. „Ich gehe zurück ins Rheinland, zu meiner Familie und meiner Freundin“, sagt Matthias. Sabrina überlegt, sich schon nach ihrem anstehenden Auslandsjahr in Italien umzuorientieren. Uta Ahrens würde gerne in Sachsen bleiben. „Das hängt aber natürlich davon ab, ob ich hier eine Arbeit finde.“
http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/beruf/bildung/389 924


Österreich
Diese Seite per Email weiter empfehlen
Druckversion
Newsletter abonnieren






