„Der Eigenanteil für wohlhabende Familien läge nach unserem Modell um bis zu einem Drittel höher als heute”, sagt Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln.
Hintergrund für die Überlegungen ist das Ziel, die Studienanfängerquote in Deutschland von derzeit 36 Prozent eines Jahrgangs auf 40 Prozent zu erhöhen. Im Vergleich mit anderen Ländern hinkt Deutschland der Entwicklung hinterher. Sie erscheint notwendig, da in vielen Berufen die Anforderungen wachsen. Deshalb sollen mehr Kinder studieren.
Verschiedene öffentliche Fördermittel
Derzeit jedoch summieren sich die Kosten für ein sechsjähriges Universitätsstudium für Kinder aus sozial schwachen Familien auf durchschnittlich 26.200 Euro. Kinder mit Eltern aus hohen Einkommensgruppen zahlen nur unwesentlich mehr (30.500 Euro). Das liegt daran, dass verschiedene öffentliche Fördermittel zusammenwirken. Die einen profitieren stärker vom BAföG, die anderen vom Steuerfreibetrag.
Mit ihrem Modell wollen das IW Köln, der Industrieverband BDI, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Arbeitgebervertreter BDA die Kosten umverteilen. Nach ihrem Modell würden sozial Schwache nur noch 9400 Euro für ein Studium zahlen, weil sie durch BAföG-Zuschüsse entlastet werden, die sie nicht zurückzahlen müssen. Für Gutverdiener dagegen könnten künftig bis zu 40.600 Euro fällig werden, da das Modell stärker auf verzinste Darlehen setzt. Der Student soll weniger jobben und mehr lernen.
Qualität der Lehre ausbauen
Darüber hinaus schlagen die Verbände einen von Bund und Ländern gemeinsam finanzierten Gutscheinmodell im Gesamtwert von fünf Milliarden Euro vor. Alle Studenten sollen demnach Gutscheine im Wert von jährlich je 2500 Euro erhalten, die sie an den Hochschulen einlösen können. „Damit wollen wir den Bundesländern Anreize geben, um in den akademischen Nachwuchs zu investieren”, sagte Hüther. Von den fünf Milliarden Euro sollen die Länder 4,5 Milliarden tragen. Der Bund hingegen soll mit rund 500 Millionen Euro den Beitrag für ausländische Studierende übernehmen.
Um die Bildungslasten gerechter zwischen den Ländern zu verteilen, soll jedes Land so viel Geld in den Topf geben, wie es ausgebildete Fachkräfte braucht. Dadurch werde das derzeitige Problem entschärft, dass etwa ein Land wie Berlin weit über seinen Bedarf in die Hochschulausbildung investiert und andere kostenneutral von Absolventen profitieren. Durch eine bundesweite Erhebung von Studiengebühren in Höhe von 1000 Euro jährlich solle zudem die Qualität der Lehre ausgebaut werden, fordern die Wirtschaftsvertreter.
Nationales Studenten-Stipendium
Derweil warb Nordrhein-Westfalens Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP) bei der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) in Berlin für seine Idee eines nationalen Studenten-Stipendiums. Begabte Hochschüler sollen bis zu 300 Euro monatlich erhalten. Generell stimmten die Länderkollegen und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) seinem Vorstoß zu, dass das Stipendiensystem ausgebaut werden müsse. Schavan warnte jedoch vor zu viel Eile: „Es gibt Fragen über Fragen, die geklärt werden müssen”, sagte sie. Darunter etwa der Einfluss auf die bestehenden elf Begabtenförderwerke.
Pinkwart jedoch geht in die Offensive. Gegenüber unserer Zeitung kündigte er an, das Thema Stipendien auf die Tagesordnung des von Angela Merkel angekündigten Bildungsgipfels im Oktober bringen zu wollen. Gute Voraussetzungen dafür hat er: Die GWK setzte gestern eine Arbeitsgruppe für ein neues Stipendienwesen ein. Der nordrhein-westfälische Minister soll sie leiten.
Quelle: RP-Online

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