Davon sind wir ein Jahr vor dem geplanten Abschluss des Bologna-Prozesses noch weit entfernt", kritisierte das für Hochschulen verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied, Andreas Keller, heute mit Blick auf die Befragung der Bundesregierung zum Bologna-Prozess im Bundestag.
Keller trat für mehr Flexibilität bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses ein. "Nur eine Studienreform, die Lehrende und Lernende, Arbeitgeber und Gewerkschaften tragen, wird nachhaltigen Erfolg haben", betonte der GEW-Hochschulexperte. Für die Fortsetzung des Bologna-Prozesses über 2010 hinaus, über die in sechs Wochen die europäischen Bildungsminister im belgischen Leuven entscheiden, müsse gelten: "Qualität geht vor Tempo. Wir brauchen eine Entschleunigung des Bologna-Prozesses."
Eine zentrale Forderung der GEW zielt auf die uneingeschränkte Durchlässigkeit beim Übergang vom Bachelor- zum Masterstudium. "Weder Quote noch Note dürfen die Zulassung zum Masterstudium beschränken", forderte Keller mit Blick auf die in vielen Bundesländern bestehenden restriktiven Zulassungsvoraussetzungen für Masterstudiengänge. "Dies gilt um so mehr, als die Akzeptanz vieler neuer Bachelor-Studiengänge auf dem Arbeitsmarkt unzureichend ist", sagte der GEW-Experte.
Die Bildungsgewerkschaft macht sich außerdem für eine Stärkung der sozialen Dimension des Bologna-Prozesses stark. "Mobilität setzt nicht nur die Übereinstimmung von Studienstrukturen, sondern auch eine wirksame materielle Förderung voraus. Wir brauchen mehr Chancengleichheit im Europäischen Hochschulraum. Hierzu gehören eine leistungsfähige Studienfinanzierung, der Ausbau von Mobilitätsstipendien und bolognataugliche Karrierewege für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Mobilität nicht bestrafen, sondern ermöglichen", verlangte Keller.
Er hob hervor, dass die Bologna-Reform nur dann erfolgreich sein könne, wenn die Betreuung der Studierenden spürbar verbessert wird. "Bund und Länder müssen endlich ihre Pläne für einen 'Hochschulpakt II' vorlegen. Die Hochschulen brauchen nicht nur mehr Studienplätze, sondern auch ein besseres Betreuungsverhältnis in der Lehre", erklärte der GEW-Sprecher. Hierfür seien nach Berechnungen der Hochschulrektorenkonferenz und des Wissenschaftsrats zusätzlich 3,7 Milliarden Euro jährlich notwendig.
Ulf Rödde
GEW-Hauptvorstand
Pressesprecher und
verantw. Redakteur "E&W"
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