Unter dem Motto "Geisteswissenschaften. ABC der Menschheit" wird das
Wissenschaftsjahr 2007 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
http://www.bmbf.de gemeinsam
mit der Initiative "Wissenschaft im Dialog" http://www.wissenschaft-im-dialog.de ausgerichtet.
Was bleibt aber vom Informatikjahr 2006? Es habe die Erwartungen seiner
Organisatoren erfüllt. Bildungspolitiker und Informatiker zeigten sich
zufrieden. Nun gelte es, die positiven Wirkungen nicht wie ein Strohfeuer
verpuffen zu lassen und Technikfeindlichkeit, IT-Fachkräftemangel sowie
digitale Spaltung weiterhin nachhaltig zu bekämpfen, berichtet das Onlineportal
der ZDF-Nachrichtensendung heute http://www.heute.de. Die Experten fordern, der Informatik ein
weiteres Wissenschaftsjahr zu widmen. Dass die Gesellschaft ein besonderes
Interesse für Naturwissenschaften und Technik zeigt, daran meldet der frühere
Ministerpräsident von Baden-Württemberg Lothar Späth erhebliche Zweifel an.
Früher sei das anders gewesen: "Lokomotivführer und Astronauten waren lange
Zeit Galionsfiguren der modernen Industriegesellschaft." Späth zufolge haben
sich die kindlichen Berufswünsche geändert, "weil sich unsere Gesellschaft mit
der Beherrschung von moderner Technik nicht mehr so stark identifiziert wie
früher, geschweige denn den 'Fortschritt durch Technik' mit Leidenschaft
betreibt". Cicero-Chefredakteur Wolfram Weimer habe darauf hingewiesen, dass
die "Heldenkultur von einst", die Entdecker, Erfinder und Tüftler in den
Mittelpunkt der Verehrung gerückt habe, der "Welt der Models, Fußballer und
Showmaster" gewichen sei.
Schwierigkeiten mit einem solchen kulturkritischen Ansatz hat Michael Sander
von der Lindauer Unternehmensberatung Terra Consulting Partners (TCP) http://www.terraconsult.de
. "Späth will eine - wie er sagt - kulturelle Haltung überwinden, um
Naturwissenschaften und Technik wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.
Eine solche geistig-moralische Wende ist sehr schwer zu bewerkstelligen.
Angesichts des sich schon jetzt abzeichnenden Mangels an Fachkräften können wir
uns das aber nicht leisten", sagt Sander. Man solle sich gar nicht darauf
konzentrieren, den jungen Leuten ihren Spaß an Sportstars oder sonstigen
Superstars zu vergällen, die sie täglich bei deren Arbeit im Fernsehen
beobachten könnten. "Für mich heißt das, dass die Tüftler und Ingenieure noch
stärker als bisher auf die jungen Leute zugehen müssen, zum Beispiel in den
Schulen. Jugendliche begeistern sich doch durchaus für moderne Technik. Sie
mögen Computer, Autos oder iPods. Es ist besser, durchaus auch den Spaßfaktor
bei modernen Technik zu sehen. Früher wollten die Kinder ja schließlich auch
Lokomotivführer oder Astronaut werden, weil sie sich diese Tätigkeiten als
spannend vorstellten. Kein Kind möchte später Ingenieur werden, um das Land vor
einem Mangel an Ingenieuren zu bewahren", so der Berater. "Wenn Späth plakativ
Naturwissenschaft statt Selbstinszenierung fordert, ist mir das zu defensiv.
Auch mit dem dauernden Lamento über den Hedonismus und die vermeintliche
Oberflächlichkeit der Gesellschaft kommt man bei den Jugendlichen nicht
weiter", betont Sander.
Die Wertediskussionen von Politikern, Pädagogen und Wissenschaftlern
gehe nach Ansicht von Michael Müller, Geschäftsführer der auf
IT-Dienstleistungen spezialisierten a&o-Gruppe http://www.ao-services.de
und Wirtschaftssenator des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW),
am Kern der Probleme in Deutschland vorbei: "Die Lehrkräfte vermitteln keine
Technikbegeisterung, keinen Gründergeist und keine positive Einstellung zur
Markwirtschaft. Das beweist der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) der
Universität Hannover. In der Kategorie' gesellschaftliche Werte und Normen,
also der Akzeptanz von Selbständigen und Gründern, ist Deutschland mittlerweile
ins unterste Drittel von 33 untersuchten OECD-Staaten abgerutscht. Eine Kultur
des selbständigen Handelns wird in Schulen und Universitäten von den öffentlich-
rechtlich abgesicherten Lehrern und Professoren nicht vermittelt. Bei der
gründungsbezogenen schulischen Ausbildung liegen wir nur auf Platz 29. Selbst
China hat uns überholt", kritisiert Müller gegenüber pressetext. Ökonomen,
Naturwissenschaftler, Unternehmer und Erfinder würden in der Öffentlichkeit
wenig Anerkennung genießen. "Hauptmeinungsbildner sind eher Schriftsteller und
Kulturschaffende, die ihre antikapitalistischen und technikfeindlichen
Ressentiments pflegen. In einem Land, dessen Zukunft von Wirtschaftskraft und
technischem Fortschritt abhängt, ist das ein Alarmzeichen", warnt Müller.
Links- und Rechtsintellektuelle verströmten keinen progressiven Geist. "Die
meisten sind technologische Angsthasen, globalisierungsfeindlich eingestellt
und hängen an überholten Kulturbildern, die mit der Lebenswelt des 21.
Jahrhunderts nichts mehr zu tun haben", moniert Müller. Die staatszentrierte
Sichtweise sei nach Auffassung Hans-Wolff Graf vom Bundesverband für Steuer-,
Finanz- und Sozialpolitik http://www.zeitreport.de ein Ergebnis des politischen
Systems. Selbständigkeit als Antrieb für Veränderungen, gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Wandel werde von den Staatsparteien überhaupt nicht gewünscht.
"Unsere Politiker leben zu gut von dem System der Entmündigung", so Graff im
Interview mit der Zeitschrift brandeins http://www.brandeins.de .
Aussender: pressetext.deutschland
Redakteur: Gunnar Sohn
email: sohn@pressetext.com
Tel.
+49-228-6204474


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