| Der Oberkirchenrat und Medienbeauftragte des evangelischen Kirchenrates, Markus Bräuer, hat bereits Gespräche mit den Intendanten und Programmverantwortlichen der ProSiebenSat.1-Gruppe und RTL geführt. "Wir haben mit den Privatsendern verabredet, das Gespräch an konkreten Projekten wie Redaktionsbesuchen und Begegnungen mit Drehbuchautoren und Produzenten fortzusetzen", erklärt Bräuer in einem medienhandbuch-Interview.
Gewalt im Fernsehen ist den hierzulande größten Kirchengemeinschaften schon länger ein Dorn im Auge. Vertreter der katholischen und protestantischen Kirche kritisieren, dass das Fernsehprogramm ausgerechnet zeitgleich zu hohen kirchlichen Anlässen meist mit gewalttätigen Inhalten gefüllt sei. Allein zum vergangenen Osterwochenende bekamen die Zuseher rund 40 Stunden an schwer verdaulichen Sendungen serviert. "Der entscheidende Unterschied in der Vermittlung und Darstellung liegt darin, ob Gewaltszenen nur aus der Sicht der Action-Helden dargestellt werden oder ob Gewalt, Demütigung und Verletzungen auch aus der Sicht der Opfer gezeigt werden", so Bräuer. Die privaten Fernsehstationen weisen die Kritik jedoch zurück und sehen keinen konkreten Anlass zum Dialog, wie von den Kirchen angestrebt. Gleichzeitig weisen sie jedoch darauf hin, dass es nicht in ihrem Sinn stehe, die religiösen Gefühle der Zuschauer zu verletzen. RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer betont gegenüber DerWesten, dass auch an christlichen Feiertagen ein ausgewogenes Programm für die ganze Familie und jeden Geschmack geboten werde. "Wenn die Medien die Wirklichkeit unseres Lebens abbilden wollen, kommen sie weder in Reportagen noch in fiktionalen Filmen an der Gewalt vorbei. Gewalt gehört leider zur Wirklichkeit unseres Lebens", meint Bräuer. Über den Dialog hinaus stellt die gesetzliche Regulierung der TV-Inhalte einen nächsten möglichen Schritt dar, der neben politischen Stimmen auch von einigen Kirchenvertretern angestrebt wird. Bräuer appelliert dennoch an die ethisch-soziale Verantwortung der Rundfunkanstalten. "Wenn wir immer nur überbieten wollen, woran die Zuschauer sich schon gewöhnt haben, enden wir in einer unaufhaltsamen Spirale der Grausamkeit. Diese Bilder, die sich einprägen, verändern Verhaltensweisen, regen möglicherweise zur Nachahmung an und verändern die Kultur der Achtsamkeit in unserem Umgang miteinander", heißt es von dem Kirchenrat.
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