Seit 15 Jahren führen die meisten aller Hauptschulen im Dienstsiegel die Bezeichnung „Hauptschule mit Werkrealschule“, auch wenn sie das zehnte Schuljahr vor Ort nicht anbieten, sondern lediglich Zusatzunterricht ab der achten Klasse.
Ab 2010 soll es nun nach dem Willen der Landesregierung die „neue“ Werkrealschule geben, an der auch ein Hauptschulabschluss erworben werden kann. Das bedeutet, dass es künftig Hauptschulen, Hauptschulen mit Werkrealschule und Werkrealschulen mit Hauptschule geben wird.
Eltern wird die ungeliebte „dritte“ Schulart durch solche Wortspielereien nicht schmackhafter gemacht, selbst wenn das inhaltliche Konzept akzeptabel wäre. Bekanntlich gibt es bisher auch kein Werk-Gymnasium. Der Trend weg von der Hauptschule hin zur „echten“ Realschule wird weiter anhalten, solange die Werkreal/Hauptschule von Eltern und Ausbildern nicht als echte Angebotsschule wahrgenommen und akzeptiert wird.
Die Einrichtung differenzierender Profile ab der achten Klasse der neuen Werkrealschule in „Natur und Technik“, „Gesundheit und Soziales“ sowie „Wirtschaft und Informationstechnik“ erfolgt augenscheinlich analog zu den Realschulen, die ab der siebten Klasse die Schüler wählen lassen zwischen „Natur und Technik“, „Mensch und Umwelt“ sowie der weiteren Fremdsprache „Französisch“. Wenn jedoch bei der Grundschulempfehlung in der vierten Klasse die „neue“ Werkrealschule gleichrangig mit der Hauptschule aufgeführt wird und mit dieser Empfehlung auch kein Besuch der „echten“ Realschule möglich ist, werden sich die Eltern schon fragen, ob das Ganze nicht nur ein böser Etikettenschwindel ist, der alle lediglich ruhig stellen soll, indem man den Betroffenen tüchtig (Schlaf-)Sand in die Augen streut.
Verband Bildung und Erziehung (VBE) - Baden-Württemberg
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