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Lehrerbildungsgesetz umgehend novellieren - Referendariat konsolidieren, innovieren und reformieren

Frankfurt (gew). "Wir fordern alle Parteien im Hessischen Landtag auf, umgehend mit der Novel-lierung des Hessischen Lehrerbildungsgesetzes (HLbG) zu beginnen. Die Zeit des Abwartens ist nach acht Monaten vorbei. Auf der GEW-Fachtagung im September 2007 wurde grundsätzliche Zustimmung aller Parteien signalisiert. Vor allem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE und die SPD sind nun gefordert.




Es gibt nämlich sehr viele Übereinstimmungen zwischen ihren Vorstel-lungen und unserem GEW-Modell. Es könnte gemeinsame Grundlage für die Reform werden." Mit diesem Appell wandte sich der Vorsitzende der GEW Hessen Jochen Nagel an die Öffentlichkeit, um auf einen dringenden Reformbedarf in der hessischen Bildungspolitik hinzuweisen. "Die von der vormaligen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) verursachten und von ihr und von den Zustän-digen im Ministerium über zwei Jahre hinweg kaschierten gravierenden Mängel können nicht mehr länger hingenommen werden."

 

Der Novellierungsbedarf kann nach Auffassung der GEW aber nicht nur zum Flicken der zahlrei-chen Löcher im Teppich führen. "Notwendig ist, die Arbeitszeit der Lehrkräfte im Vorbereitungs-dienst (LiV) entsprechend den gesetzlichen Vorgaben der hessischen Arbeitszeitordnung und des europäischen Rechts zu reduzieren. Im Klartext heißt dies: Verringerung des Umfangs aller Modul-veranstaltungen in den Studienseminaren um etwa 25 Prozent und Senkung des eigenverantworte-ten Unterrichts um zwei Wochenstunden", so Joachim Euler, Zuständiger für die Lehrerausbildung in der hessischen GEW.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht sich in ihrer Analyse und in ihren Forderungen voll bestätigt. Interne Berechnungen im Hessischen Kultusministerium weisen für die LiV regelmä-ßige Arbeitszeiten von mehr als 50 Wochenstunden im zweiten Semester und von mehr als 60, so-gar bis zu 70 Wochenstunden im dritten Semester aus. Angesichts eines monatlichen Salärs von weniger als 1.100.- EURO beurteilen die LiV ausnahmslos dieses Lohn-Leistungsverhältnis als staatliche Ausbeutung. Dass sie ihre Interessen gut in der Gewerkschaft aufgehoben wissen, doku-mentiert eindrucksvoll die Mitgliederentwicklung. Im vergangenen Jahr traten 500 LiV in die GEW ein - ein Rekordergebnis seit mehr als 30 Jahren. Und in den ersten vier Monaten dieses Jahres wa-ren es schon wieder mehr als 200 LiV-Zugänge.

 

Die drastische Arbeitszeitverringerung ist eine von zwei zentralen GEW-Forderungen. "Auch der Prüfungsmarathon mit zwölf Modulprüfungen und einer zusätzlichen Zweiten Staatsprüfung muss gestoppt werden. Die Zukunft sollte nicht verpasst werden. Ein innovativer Ansatz wäre eine mo-dularisierte Zweite Staatsprüfung", so Euler. Ergänzend fügte er hinzu: "Auch die Dauer des Refe-rendariats muss auf den Prüfstand. Aufgrund der neuen Bachelor-/Masterstudiengänge wird in allen Bundesländern der Vorbereitungsdienst gekürzt, und zwar auf 18, 15 oder sogar zwölf Monate. In einem ersten Schritt können wir uns in Hessen 21 Monate mit neuen Einstellungsterminen zum 1. Mai und 1. November vorstellen."

 

Heike Lühmann, Mitglied im Hauptpersonalrat der Lehrerinnen und Lehrer, wies auf die enormen Arbeitsmehrbelastungen in den Studienseminaren hin. "Die Überstunden haben sich beispielsweise an den Studienseminaren für Grund-, Haupt- Real- und Förderschulen so angehäuft, dass etwa 80 Prozent der Ausbildungsleiterinnen und -leiter überhaupt nicht mehr unterrichten können. Daher muss auch die Unterrichtsverpflichtung aller Ausbilderinnen und Ausbilder wieder um die zwei Un-terrichtsstunden gesenkt werden, die von Frau Wolff zusätzlich verordnet wurden. Längst überfällig sind auch Anrechnungsstunden für die Mentorinnen und Mentoren, die mittlerweile die Haupt-betreuungsarbeit bei den LiV leisten: eine Stunde je LiV für Mentorentätigkeit an der Ausbildungs-schule. Von zusätzlichen 'Fortbildungspunkten', wie sie die CDU verspricht, wird man weder ent-lastet, noch kann man sich davon etwas kaufen. Sie haben keinen praktischen Nutzen."

 

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Barbara Dietz-Becker
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GEW Hessen
Zimmerweg 12

 

60325 Frankfurt a M
T: 069 - 97129326
M: 0175-9337730
F: 069 - 97129393
E-Mail: bdietz-becker@gew-hessen.de

 


 
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