„Weil sich viele von ihnen immer noch mit Verwaltungsaufgaben und Bürokratie herumschlagen müssen, weil sie zu wenig Zeit für modernes Management haben und obendrein auch noch Unterricht halten müssen, resignieren viele von ihnen.
Besonders deutlich wird dies am Nachwuchsproblem: Viele Schulen suchen händeringend Schulleiter/innen - und finden niemanden, der die anspruchsvolle und zugleich undankbare Aufgabe erfüllen will. „Aus der Misere führt nur ein Weg“, stellte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Klaus Wenzel, im Vorfeld einer Fachanhörung am 28. April in München klar: „Schulleiterinnen und -leiter brauchen deutlich mehr Eigenständigkeit und ein eigenes Budget, vor allem aber ein eigenständiges und anerkanntes Berufsprofil - andernfalls bleiben dringend erforderliche Innovationen und Reformen wie moderne Schulentwicklung auf der Strecke.“ Staatsregierung und Kultusministerium müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich Schulen nicht mehr nebenbei managen lassen.
Wenzel bezeichnete die Frage der professionellen Kompetenz von Schulleiterinnen und -leitern als „die zentrale Frage für die Schulen der Zukunft“. So hängt das Gelingen von Schule entscheidend von den pädagogischen Gestaltungskompetenzen und den Arbeitsbedingungen der Schulleitungen ab. Die rund 5500 Schulleiterinnen und -leiter in Bayern fühlen sich aber seit Jahren im Stich gelassen. Sie leiden unter dem Mangel an Konzepten, dem Mangel an personellen und finanziellen Ressourcen, vor allem aber am Mangel an Zeit, weil sie zu ihren vielfältigen Aufgaben auch noch Unterricht abhalten müssen.
„Sie sind gezwungen, ihre Schule „nebenbei’ zu leiten“, kritisierte die Leiterin der Fachgruppe Schulleitung im BLLV, Ingrid Runkel. „Trotz massiver Appelle schaut die Staatsregierund weg. Wir bekommen stattdessen immer noch mehr draufgesattelt.“ Schulleiter/innen sind perfekte Manager eines mittelgroßen Betriebes. Sie sind zuständig für Personalführung, Marketing, Qualitätssicherung, Controlling und Effizienzsteigerung. Daneben sind sie überzeugte Pädagogen. Trotzdem sind ihre Arbeitsbedingungen denkbar schlecht: So verfügen Schulleiterinnen und -leiter an Grund- und Hauptschulen über nicht annähernd ausreichend Leitungszeit. Runkel spricht von „Ausbeutung“, denn die Fülle an zusätzlichen Aufgaben sei kaum noch zu bewältigen: „Viele Schulleiterinnen und -leiter gehen täglich an die Grenze ihrer Belastbarkeit, weil sie viele unterschiedliche Tätigkeiten gleichzeitig wahrnehmen müssen und dauernd das Gefühl haben, keiner Sache wirklich gerecht werden zu können. Wir hetzen von Termin zu Termin und versuchen, den Alltag zu stemmen. Auf Dauer macht das krank. Für Innovation und Entwicklungsprozesse fehlt die Energie, vor allem mangelt es an Zeit.“
Runkel und Wenzel stellten klar, dass moderne Schulleitung nichts mehr mit dem Abwickeln bloßer Verwaltungsaufgaben zu tun hat. Obwohl über diese Tatsache kein Zweifel mehr besteht, hat es die Politik bislang versäumt, darauf entsprechend zu reagieren. Die Probleme sind an vielen Schulen inzwischen so massiv, dass akuter Nachwuchsmangel herrscht. „Kultusministerium und Staatsregierung dürfen nicht länger tatenlos zusehen. Sie müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass es sich beim Schulleiter bzw. der Schulleiterin um ein eigenständiges Berufsbild handelt, das nicht nebenbei bewältigt werden kann.“
Beide forderten auch eine qualifizierte Vorbereitung auf den anspruchsvollen Beruf: „Schulleitung ist ein Hauptamt. Es definiert sich als eigenes Berufsbild, dem ein eigenes Berufsprofil zugrunde gelegt werden muss. Schulleiter/innen der Zukunft sollten für diese Aufgabefülle entsprechend ausgebildet werden und keinen Unterricht mehr halten müssen. Die angebotenen Fortbildungsmaßnahmen bereiten nicht angemessen auf das komplexe Aufgabenfeld eines Schulleiters vor. In vielen Fällen werden gerade diejenigen Lehrer/innen für eine Leiterfunktion ausgewählt, die hoch professionellen Unterricht halten können, um sie dann mit Verwaltungsaufgaben zu konfrontieren, auf die sie nicht fundiert genug vorbereitet wurden. Das derzeitige Angebot eines einzigen Kurzlehrgangs ist unbefriedigend und reicht nicht aus.


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