Lesekompetenz ist eine so genannte Grundfertigkeit, die in Zeiten des Internet noch schwerer zu definieren ist, als von jeher. Experten sehen sie aber im engen Zusammenhang mit Informations- sowie Medienkompetenz. Ein Indiz dafür, dass "Lesen" kaum auf einzelne Medien zu begrenzen ist, ist beispielsweise auch die diesjährige Öffnung der Frankfurter Buchmesse für andere Medien als das Buch. Immer mehr Studien erscheinen zu den Themen Lese- und Informationskompetenz. Da die Lesekompetenz und stark von der Lesesozialisation, vor allem in der Familie, abhängt, stehen Eltern und Lehrer mit ihren entsprechenden Kompetenzen ebenfalls im Fokus der Aufmerksamkeit.
Kompetent "lesen" im Mediendschungel
Dass Schüler und Lehrer noch Probleme haben, Informationen im Internet kompetent zu suchen, zu lesen und einzuordnen, verdeutlicht beispielsweise eine frisch erschienene Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen zum Thema "Informationskompetenz in Deutschland". Sie gibt einen Überblick zum Stand der Fachdiskussion und stellt Literaturangaben, Projekte und Materialien zu einzelnen Zielgruppen zusammen. Informationskompetenz verstehen die Forscher als Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts, da sie entscheidend für den Erfolg in Studium, Forschung oder auch im Berufsalltag ist. Für ihre Untersuchung haben sie zwischen Dezember 2008 und Februar 2009 entsprechende Publikationen in Internet-, Literatur- und Datenbanken unter die Lupe genommen. Dabei wurden auch aktuelle Entwicklungen neuerer Formen der Informationskompetenz im Web 2.0 berücksichtigt – beispielsweise die Verwaltung von Websites, das gemeinsame Erzeugen von Inhalten oder das gemeinsame Verschlagworten.
Lesekompetenz als Chance
Eine ebenfalls kürzlich erst erschienene Studie, durchgeführt von der Stiftung Lesen im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bestätigt, dass Kinder, die gerne lesen, mehr Erfolg in der Schule und im Leben haben – unabhängig von der sozialen Zugehörigkeit. Die repräsentative Untersuchung mit dem Titel "Lesesozialisation von Kindern in der Familie" macht aber auch deutlich, dass gerade jüngere Eltern (unter 30-Jährige) Leseförderung seltener als Erziehungsziel ansehen. Das könnte damait zusammenhängen, dass diese Generation schon stärker durch andere Medien als das Buch geprägt ist und unter "Lesen in der Familie" immer noch vor allem das Lesen von Büchern verstanden wird. Doch andere Medien müssen ebenfalls "gelesen werden", auch oder gerade, wenn dafür teilweise andere Fähigkeiten gefragt sind, als bei Lesen oder Auswahl eines Buches.
PISA 2009 mit elektronischer Kompetenzerfassung
Die Bedeutung dieses Themas haben jetzt auch die Experten der PISA-Studie erkannt und für PISA 2009 zusätzlich einen computerbasierten Lesetest eingesetzt. Für PISA 2009 testen die Experten in 68 Staaten die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Dies geschieht normalerweise "papierbasiert", das heißt mit gedruckten Testheften. Bei der Testerhebung 2009 hatten sich 20 dieser Staaten entschieden, zusätzlich einen computerbasierten Lesetest einzusetzen. Insgesamt kamen die Testsysteme so in rund 4000 Schulen zum Einsatz. Anders als die bisherigen papierbasierten Verfahren ermöglichen die computergestützten Testmethoden die Nutzung lebensnaher Testszenarien durch dynamische und interaktive Aufgaben und können Wissen so weitreichender abfragen.
An der Konzeption und Umsetzung des computerbasierten Lesetests für die PISA-Studie 2009 war das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) beteiligt. "Wir prüfen damit, wie gut die Jugendlichen Informationen im Netz aufsuchen, lesen und zur Lösung von Problemen nutzen können", sagt Dr. Johannes Naumann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DIPF und als Spezialist für "Hypertext-Lesen" an der Entwicklung des Tests beteiligt. Der Einsatz von Computern für die Kompetenzmessung wird in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen. Um im Rahmen der nächsten OECD-Studien – PIAAC, das so genannte "PISA für Erwachsene" und PISA 2012 – realitätsnahe Problemlösekompetenzen zu erfassen, arbeitet das DIPF bereits an der Simulation verschiedener Szenarien.
Quelle: Schulen ans Netz e.V.


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