Leider gehe es heute immer weniger um Lern- und Bildungsinhalte, als vielmehr um Punkte, Zensuren und Zertifikate, bedauert der VBE-Chef eine Entwicklung in die falsche Richtung. Schüler lernten meist nach dem Motto, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Stoff aufzunehmen, „zwischenzuspeichern“, möglichst präzise wiederzugeben, gute Noten einzuheimsen und danach das Gelernte rasch zu vergessen. „Eine solche Vorgehensweise leistet weder einen Beitrag für das geistige Durchdringen eines Fachgebietes noch für eigenständiges Weiterlernen und Forschen“, moniert Karg. Wichtig sei, dass alle Kinder am Ende der Grundschulzeit die Kulturtechniken - Lesen, Schreiben und Rechnen - sicher beherrschten.
Entscheidend für den schulischen Erfolg sei das Lernen mit allen Sinnen, also mit Kopf, Herz und Hand. Das sei, so der VBE-Vorsitzende, keine neumodische Erkenntnis, sondern ein methodischer Ansatz, den der Schweizer Pädagoge Pestalozzi bereits vor 200 Jahren praktiziert habe. Karg: „Schüler lernen im Unterricht durch praktisches Tun, wie man lernt. Sie müssen Regeln des Lernens erfassen, dabei eigene Stärken und Schwächen erkennen, den Lernprozess planen, steuern und die Ergebnisse überprüfen. Schüler sollten nicht für die nächste Klassenarbeit, sondern in erster Linie für sich selber lernen.“
Zu einer guten Lernkultur gehöre eine entsprechend sensibler Umgang mit Fehlern. Wenn Kinder und Jugendliche wegen des Selektionsdruckes ständig Angst vor schlechten Noten haben müssen und glauben, bestimmte Aufgaben nicht bewältigen zu können, blieben Neugier, Experimentier- und Lernfreude bald auf der Strecke. „Schüler müssen Fehler machen dürfen", unterstreicht der VBE-Vorsitzende. Damit Kinder und Jugendliche individuell gefördert werden können, brauchen Lehrer vor allem Zeit für jeden einzelnen Schüler. Deshalb seien vor allem kleinere Klassen und Lerngruppen zwingend notwendig.
Verband Bildung und Erziehung (VBE) - Baden-Württemberg
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