In den Gängen der Baaler Mühlenbachschule herrscht reger Verkehr, die Schüler der "Klassen" eins und zwei wechseln von einer in eine andere Klasse – mitten im Unterricht. Tatsächlich aber arbeiten sie selbstständig in Lerngruppen. Das ist das Ergebnis einer in Baal neu strukturierten Schuleingangsphase mit gemeinsamem Unterricht von Erst- und Zweitklässlern. Seit zwei Jahren ist dadurch die Klassenstärke doppelt so groß, die Kinder werden dafür aber von einem zweiköpfigen Lehrerteam unterrichtet. Die Verantwortlichen des in dieser Form einzigartigen Projekts im Kreis zogen gestern Bilanz.
Arbeit über Klassen hinweg
Auf den ersten Blick sind die Vorteile der Umgestaltung – zwei Lehrer für die doppelte Schülerzahl aus den beiden ersten Jahrgangsstufen – im Vergleich zu früher kaum einsichtig. Die Reaktion der Eltern sei zu Anfang entsprechend durchwachsen gewesen, erläutert Schulleiter Dieter Frohnhofen. Die Skepsis gegenüber dieser neuen Art des Unterrichts sei aber verflogen, als die Eltern den Unterricht selbst besuchten, ergänzt Konrektorin Stefanie Buchkremer, die selbst in der Schuleingangsphase unterrichtet.
Durch die Arbeit im Lehrerteam entstünden trotz der großen Klassenstärke zahlreiche Vorteile. Die Vor- und Nachbereitung der Stunden, die Planung von Unterrichtsreihen und die Beratung der Eltern und Ausbildung von Referendaren könne nun gemeinsam angegangen werden. Der Austausch untereinander verbessere die Unterrichtsqualität. Durch die Aufteilung der Großklassen in Lerngruppen – nach Leistungsstärke sortiert – sei eine individuellere Förderung möglich. "Je nach Aufgabe können so leistungsschwache Schüler der zweiten mit starken der ersten Klasse zusammenarbeiten", erklärt Heike Becker, ebenfalls Lehrerin der Schuleingangsphase. Die Pädagogen könnten sich dann auf ihre Gruppe konzentrieren, gezielter selbständiges Arbeiten fördern und müssten nicht, wie bisher, allen Anforderungen gleichzeitig gerecht werden. Die Koordination untereinander sei zwar aufwändiger, der Arbeitsumfang im Endeffekt jedoch geringer, sagt Buchkremer.
Eine Umsetzung in den Klassen drei und vier sei nicht geplant, erläutert der Schulleiter. Aus Mangel an Räumen pendeln die Schüler zwischen den Klassen. Bald sollen einige Wände eingerissen, um Platz für separate Lernräume zu schaffen. Frohnhofen dankt Rat und Verwaltung, die den Umbau durch die Bewilligung der nötigen Gelder möglich machten.
Schulrat Peter Kaiser, selbst vehementer Fürsprecher der Teamidee, zeigt sich gestern beim Besuch in Baal begeistert: "Die Umsetzung des Teamkonzepts würde ich mir für jede Schule wünschen".
Quelle: RP-Online


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