Ziel der Tagung ist, die napoleonische Epoche als eine historische Übergangsphase in den Blick zu nehmen, die nicht nur in Mitteleuropa, sondern auch im Mittel- und Nordmeerraum, in der atlantischen Welt bis hin zum Orient Spuren hinterließ und die weitere welthistorische Entwicklungen nachhaltig beeinflusste.
Dabei werden erstmals in der Forschung zur napoleonischen Epoche alle vom französischen Empire berührten Räume einbezogen und Wissenschaftler unterschiedlichster geographischer Herkunft miteinander ins Gespräch gebracht. Hatte sich die ältere Forschung stark am Paradigma der westeuropäischen Modernisierung ausgerichtet und die Epochenwende um 1800 als gleichsam abrupten Beginn der westlichen Moderne angesehen, hat die Ära der Französischen Revolution und der napoleonischen Herrschaft in jüngster Zeit eine deutliche Neuakzentuierung erfahren.
Durch die Hinwendung zu einer globalisierten Betrachtungsweise stehen seit einigen Jahren Fragen langfristiger Transformationsprozesse im Mittelpunkt, die in vielen Teilen der Erde Ähnlichkeiten aufweisen. Die napoleonische Expansionspolitik spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Methodisch werden in der neueren Forschung daher nicht nur Vergleichs-, Transfer- und Verflechtungsaspekte stärker thematisiert, sondern auch Herrschaftspraktiken, militär- und kriegsgeschichtliche Gesichtspunkte untersucht. Alltags- und erfahrungsgeschichtliche Zugänge erlauben es, Kontinuitäten zur vorrevolutionären Epoche zu thematisieren und Widerstände gegen Modernisierungszumutungen stärker in den Blick zu nehmen.
Um die Ereignisse in den geostrategischen Rahmen der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert einzubetten, sind die Sektionen der Tagung in fünf geographische Großräume gegliedert, in denen sich die Expansionsinteressen der zeitgenössischen Imperien und Großreiche berührten: Westeuropa, Iberischer und atlantischer Raum, Nord- und Osteuropa, Zentraleuropa sowie Südosteuropa und der Mittelmeerraum.
Innerhalb dieser Großregionen werden die jeweiligen Gesellschaften von ausgewiesenen Kennern der Materie daraufhin befragt, welche Bedeutung der napoleonischen Epoche für die politische Entwicklung zukam und welche Wirkungen für den weiteren historischen Verlauf davon ausgingen. Abschließend soll die napoleonische Epoche in eine übergreifende Geschichte der Imperien und Kolonialreiche eingeordnet werden.
Die Tagung wird durch die Fritz-Thyssen-Stiftung für Wissenschaftsförderung unterstützt.
Tagungssprachen sind Englisch und Französisch mit Simultanübersetzung.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dhi-paris.fr
Das napoleonische Imperium: Europäische Politik in globaler Perspektive
| Autor: TeachersNews
Quelle: idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
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