Dies beschloss die 52. Mitgliederversammlung des Branchenverbandes am 28.
und
29. Juni. "Die öffentlichen Hände bringen derzeit gerade mal 20 Euro pro
Schüler
und Schuljahr für den Neukauf von Schulbüchern auf;", betonte VdS Vorsitzender
Wilmar Diepgrond (Bildungsverlag EINS), "damit lassen sich die ambitionierten
Schulreformen der Länder überhaupt nicht realisieren". Außerdem appellierte die
Versammlung an den Gesetzgeber, im Juli eine "starke" Urheberrechtsnovelle auf
den Weg zu bringen, die die Rechte der Autoren und Verlage nachhaltig schützt.
Durch das massenhafte Kopieren aus Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien wird
die Branche drastisch getroffen. Die Bildungspolitik wurde zudem aufgerufen,
ihre Reformprozesse künftig so zu gestalten, dass sich weder Schüler, Lehrer,
Eltern noch Verlage überrumpelt fühlen: "Die Reformen müssen inhaltlich gut
vorbereitet werden und ausreichend Zeit für eine erfolgreiche Umsetzung
erhalten", erklärte Diepgrond. Bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums
wurde zum Teil mit heißer Nadel gestrickt.
Die 45 vertretenen Mitgliedsfirmen bestätigten bei den turnusgemäßen Wahlen
Michaela Hueber (Hueber Verlag, Ismaning), Andreas Klinkhardt (Klinkhardt
Verlag, Bad Heilbrunn) und Karl Slipek (Ernst Klett Verlag, Stuttgart) in ihren
Vorstandsämtern. Stellvertretender Vorsitzender bleibt Wolf-Rüdiger Feldmann
(Cornelsen Verlag, Berlin), als Schatzmeister fungiert für ein weiteres Jahr
Hans-Dieter Möller (Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann, Schroedel,
Diesterweg, Schöningh, Winklers GmbH, Braunschweig).
Was die aktuelle Urheberrechtsnovelle, den sog. "Zweiten Korb", angeht,
sehen
die Bildungsverleger die unabdingbare Notwendigkeit, die Autoren und Verlage
als
Rechteinhaber durch konsequente und einfach zu praktizierende Vorschriften
nachhaltig zu schützen. Verbandsvorsitzender Diepgrond stellte fest, dass
besonders das unkontrollierte Fotokopieren aus Schulbüchern,
Unterrichtsmaterialien und Werken für die Erwachsenenbildung radikal auf den
Primärmarkt der Verlage wirkt: jährlich werden nachweisbar rund 300 Millionen
Kopien aus Schulbüchern angefertigt.
Die Dunkelziffer liege nach Schätzungen des Verbandes deutlich darüber. Da
die Bildungs- und Schulbuchverlage ihre Werke ausschließlich für einen eng
umgrenzten und stark fragmentierten Markt herstellen, haben sie keine
anderweitigen Absatzmöglichkeiten für diese Produkte. Die Verlegerversammlung
forderte den Gesetzgeber deshalb auf, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen,
z.B.
durch Bereichsausnahmen in den jeweiligen Vorschriften.
Die öffentlichen Schulbuchausgaben sind seit 1991 stetig reduziert worden:
2006 haben Länder und Kommunen für Lernbücher und -software nur noch knapp 20
Euro pro Schüler aufgewendet; vor 15 Jahren waren es noch 34,30 Euro: ein Minus
von 40%. Bundesweit fielen die staatlichen Ausgaben von ca. 400 Mio. Euro in
1991 auf rund 220 Mio. Euro in 2006. Auch der "PISA-Schock" 2002 änderte an
dieser Negativentwicklung trotz aller Beteuerungen der Politik nichts.
Berücksichtigt man die allgemeine Preisentwicklung, so habe sich die Kaufkraft
der Schulen sogar um mehr als die Hälfte reduziert. Daher forderte die
Mitgliederversammlung die Länder auf, die staatlichen Ausleihsysteme
bedarfsgerecht zu budgetieren, damit die schon eingeleiteten und noch
anstehenden Bildungsreformen auch tatsächlich umgesetzt werden können. Auch die
Eltern, so der Verband weiter, müssten in dieser Beziehung mehr Verantwortung
übernehmen und sich stärker beim Schulbuchkauf engagieren. "Nirgendwo in
Deutschland verhindert der Schulbuchkauf durch die Eltern den Bildungszugang",
erklärte Wilmar Diepgrond. Der VdS-Vorsitzende verwies darauf, dass die Kinder
aus dem eigenen Portmonee Spielsoftware im Wert von 637 Mio. Euro kaufen (Trend
Tracking Kids 2006) - also fast dreimal so viel ausgeben wie die Eltern in
Schulbücher investieren. Der VdS Bildungsmedien will die Eltern deshalb auch
künftig mit öffentlichen Kampagnen und Aufklärungsarbeit ansprechen, um ihnen
zu
verdeutlichen, dass der Eigenkauf von Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien
eine wirksame Investition in die Zukunft der eigenen Kinder ist.
Die diversen "Szenarien" zur Neuausrichtung der beruflichen Bildung wurden
von den Bildungsverlegern kritisch beurteilt. Ob die von
Bundesbildungsministerin Schavan angedachte Reduktion der Ausbildungsberufe von
derzeit etwa 350 auf nur noch 50 geeignet wäre, elementare Probleme in diesem
Bereich zu lösen, sei intensiv zu diskutieren. Ebenso wäre genau zu prüfen,
inwiefern eine stärker modularisierte berufliche Bildung, die nicht mehr auf
"Mono-Berufe" setzt, realistisch sei. Die betroffenen Verleger werden hierzu in
absehbarer Zeit eine Position entwickeln.
Der VdS Bildungsmedien organisiert 83 Anbieter von Bildungsmedien, die
jährlich ca. 3.000 bis 4.000 neue Titel auf den Markt bringen
(Gesamttitelangebot rund 40.000). Der Branchenumsatz von Bildungsmedien für das
schulische, berufsorientierte und Freizeitlernen lag 2006 bei rund 500 Mio.
Euro. Die mittelständig geprägte Branche hat etwa 3.000 Mitarbeiter. An sie
sind
etwa 30.000 Autoren gebunden, die Bildungsmedien nach über 3.000
Unterrichtsvorgaben der Länder produzieren.
Pressekontakt: Andreas Baer
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