Damit die beruflichen Schulen schnell auf die neuen Anforderungen reagieren
können, benötigen sie größtmögliche Gestaltungsfreiheiten, die weiter gehen als
die der allgemein bildenden Schulen. Davon sind vor allem die Bereiche
Personal- und Finanzverantwortung betroffen.
Wie weit diese Freiheit gehen soll, erproben 18 Schulen im Rahmen des
Modellprojektes Profil 21 der Stiftung Bildungspakt Bayern und des Bayerischen
Kultusministeriums. "Wir wollen mit Profil 21 neue Konzepte entwickeln, die
passgenau auf die speziellen Bedürfnisse der beruflichen Schulen zugeschnitten
sind. Die Einzelmaßnahmen, die die Schulen erarbeiten, können im Schulversuch
über derzeit bestehende juristische Grenzen hinausgehen", betonte
Kultusminister Siegfried Schneider am Montag in München. Das Ziel von Profil 21
sei, die Qualität der Schulen und des Unterrichts zu steigern und so die
Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
"Die Ausbildung muss im Sinne neuer Anforderungen optimiert und die Zahl der
nicht Berufsbildungsfähigen verringert werden. Denn die liegt mit 20 % aller
Schüler in einem Bereich, der uns aufrütteln muss. Profil 21 bietet die Chance,
Verbesserungen an den Berufsschulen einzuführen, die die Wirtschaft schon
länger fordert: Wir brauchen eine stärkere Orientierungsmöglichkeit an neuen
Anforderungen der Betriebe und der Berufe. Der Unterricht muss sowohl zeitlich
als auch inhaltlich je nach Bedarf der Lernenden flexibler gestaltet werden.
Dafür sind mehr methodische Gestaltungsmöglichkeiten und damit Innovationen
erforderlich", erklärte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung
der Bayerischen Wirtschaft e.V.
"Unternehmen müssen heute mehr denn je flexibel reagieren und sich neuen
Nachfragestrukturen anpassen. Dies geht einher mit neuen Ansprüchen an die
Mitarbeiter und damit auch an die Berufsausbildung: Sie muss flexibel bleiben
und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Die Berufsschulen spielen
dabei eine zentrale Rolle. Sie brauchen die geeigneten Rahmenbedingungen, um
Jugendlichen eine zukunftsfähige berufliche Qualifizierung bieten zu können.
Genau hier setzt Profil 21 an: Es schafft Freiräume und Gestaltungsspielräume,
um die Qualität der Berufsschulbildung weiter zu steigern", so
Brossardt.
53 Schulen hatten sich um die Teilnahme an Profil 21 beworben, 18
staatliche, kommunale und private berufliche Schulen wurden von einer Jury
ausgewählt und sind jetzt die Pioniere in puncto Selbstständigkeit. Der
Schulversuch ist auf fünf Jahre angelegt. Wie bei MODUS21 sollen bereits zur
Halbzeit erste positive Maßnahmen auch anderen beruflichen Schulen zugänglich
gemacht werden. Die Schulen erarbeiten Reformkonzepte in fünf Bereichen. Das
sind Unterrichtsentwicklung, Personalentwicklung und Personalverantwortung,
Organisationsentwicklung, Finanzverantwortung sowie
Bildungsverantwortung.
"Insbesondere die Berufsschulen mit ihrer intensiven Vernetzung mit der
regionalen Wirtschaft brauchen mehr Eigenverantwortung im Bereich der
Schulleitung und Personalführung. Wir denken dabei an die Einrichtung einer
mittleren Führungsebene, also eine Art Abteilungsleiter an den Schulen. Ebenso
brauchen wir ein schülerbezogenes Personalbudget, das wir eigenständig
verwalten", betont Hans Käfler, Leiter der Karl-Peter-Obermeier-Schule,
Staatliche Berufsschule I in Passau, die an dem Modellversuch Profil 21
teilnimmt.
Quelle: Bayerisches Kultusministerium


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