Es gibt kaum bilinguale Förderung in NRW, obwohl an vielen Schulen Muttersprachler Ergänzungsunterricht anbieten. Nur an einigen Schulen im Ruhrgebiet werden Türkisch und Russisch auch als reguläre Fremdsprachen angeboten, in denen die Schülerinnen und Schüler einen Abschluss erreichen können, obwohl diese Absolventen in der Wirtschaft sehr begehrt sind. Private Ersatzschulen haben nun diesen „Markt“ erkannt
Besonderheiten des Gymnasiums in Eringerfeld sind das angeschlossene
Internat mit rund 300 Plätzen sowie spezieller Förderunterricht. Nach 13 Uhr
unterrichten Lehramtsanwärter in Hauptfächern wie Mathematik oder
Fremdsprachen. "Faktisch sind wir eine Ganztagsschule", sagt Turan Devrim,
Vorsitzender des Fördervereins. Außerdem sollen die Naturwissenschaften ab der
achten Jahrgangsstufe in Englisch unterrichtet werden.
Vom nächsten Schuljahr an sollen zunächst 170 Schülerinnen und
Schüler der Stufen fünf bis sieben unterrichtet werden. "Bisher liegen uns über
210 Anmeldungen vor", so Devrim. Ein Großteil der Schülerinnen und Schüler
stamme aus Ostwestfalen und dem Ruhrgebiet, vereinzelt aber auch aus dem
Frankfurter Raum oder aus Süddeutschland. Grund für das große Interesse seien
negative Erfahrungen türkischstämmiger Eltern mit regulären Schulen: "Im
täglichen Kontakt kommt es immer wieder zu Situationen mit nicht selten
negativem Ausgang für Migranten", sagt Devrim.
Tatsächlich ist der Bedarf an bilingualen Schulen beziehungsweise an
der muttersprachlichen Förderung enorm: Von den 2,8 Millionen
nordrhein-westfälischen SchülerInnen haben 477.000 einen ausländischen Pass
oder kamen als Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Forscher der
PISA-Studie sprechen sogar von 880.000 SchülerInnen, die im weiteren Sinne
einen Migrationshintergrund haben - das ist fast jedes dritte Schulkind.
"Es ist schon erschreckend, dass es in einem Land mit so vielen
Einwanderern wie NRW kaum Schulen gibt, die deren Sprachen fördern", sagt ein
Kölner Grundschullehrer der taz heute in diesem Zusammenhang. "An staatlichen
Schulen kommen Kinder mit Migrationshintergrund zu kurz."
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