In einem rasanten Tempo werden im Land Schulen für den Ganztagesbetrieb
eingerichtet. Allein im März genehmigte das Landesministerium 211 neue Anträge.
Allerorts müssen Mensen eingerichtet werden. Viele Fragen sind ungeklärt,
Zuständigkeiten nicht klar definiert, fachliches Know-how nicht überall
vorhanden. Grund genug für Professorin Dr. Gertrud Winkler, Studiengang
Lebensmittel / Ernährung / Hygiene, und ihre Mitarbeiterin Romy Deumert, einen
überregionalen Kongress zu organisieren und damit den Austausch von Erfahrungen
und Wissen zu ermöglichen. Eingeladen waren Schulleiter, Vertreter der
Schulträger, Kommunen und Behörden, Elternvertreter, Schülervertreter und
natürlich alle interessierten Gäste.
Über 150 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich auf den zahlreichen
Fachvorträgen, in den Workshops, auf einer Exkursion in verschiedene Mensen und
auf dem Markt der Möglichkeiten zu informieren. Mehr als 15 Aussteller,
darunter
Verbände, Initiativen, Caterer, Anbieter von Küchenausstattung,
Abrechnungssystemen und Bioprodukten zeigten Lösungen aus allen Bereichen der
Schulverpflegung.
"Die Schulverpflegung hat eine neue Dimension erreicht", sagte
Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch vom Ministerium für Er-nährung und
Ländlichen Raum. Die Schule sei längst mehr als ein Aufenthaltsort für ein paar
Stunden am Vormittag. Experten sprächen schon vom Lebensraum Schule. Dabei sei
das Schulessen Chefsache und ein wichtiger Punkt für das Image der Schule und
sogar die Attraktivität der Gemeinde.
"Mit dem Einbau der Infrastruktur ist es leider nicht getan", machte Johannes Stingl, Beigeordneter des Gemeindetages deutlich. Auch der Betrieb der Mensa müsse gewährleistet sein, Lieferanten ausgewählt, Essenspläne aufgestellt und die Essensausga-be organisiert werden. Dabei werde auf eine Vielzahl ehrenamtlicher Kräfte zurückgegriffen. "Ohne sie ginge es nicht", so Stingl. Anne Kreim, Vorsitzende des Landesverbandes der Schulfördervereine, rechnete aus, dass mehr als 35 Millionen Stunden im Jahr ehrenamtlich von den Eltern in Schulmensen geleistet würden.
Diese benötigen aber fachliche Unterstützung. Verantwortlichkeiten und
Zuständigkeiten müssen geklärt werden und eine rechtliche Absicherung
gewährleistet sein. "Ernährungsberatung sollte zum Bildungsauftrag gehören",
meinte der Erste Landesbeamte Rolf Vögtle. Die Zubereitung von Es-sen sei ein
Kulturgut, das immer mehr verloren zu gehen drohe. Prorektor Professor Dr.
Markus Lehmann zitierte aus einem Artikel des Time Magazines, um die Bedeutung
der Ernährung als Eckstein der menschlichen Zivilisation zu
unterstreichen.
Aber wie schafft man es, die Schulkinder davon zu überzeugen, die vielleicht
lieber zum nächsten Fastfood-Restaurant gehen? Um herauszufinden, was eine
langfristig erfolgreiche Schulmensa ausmacht, hat Christine Peischl in ihrer
Diplomarbeit mehrere gut funktionierende Mensen im Land untersucht. Die
Ergebnisse stellte Professorin Winkler vor. Viele Einzelfaktoren, die zum Teil
unterschätzt werden, spielen dabei eine Rolle, insgesamt ist es wichtig, dass
die Schüler sich in der Mensa wohlfühlen, dass dort eine "heimelige, familiäre
Atmosphäre" herrscht.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.hs-albsig.de - über die
Hochschule
http://www.schulverpflegung-bw.de
- zum Thema Schulverpflegung


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