Wenn Tobias über die Schule berichtet, kullern ihm die Tränen über seine
blassen Wangen. "Wir waren beim Kinderarzt und bei weiteren Ärzten, aber man
konnte nichts Organisches feststellen. Der Kinder- und Jugendpsychiater, der
bei Tobias Anfang des Jahres die Legasthenie diagnostiziert hat, sagt, es seien
psychosomatische Störungen als Folgeerscheinung der Legasthenie", erzählt
Tobias Mutter.
Fast jeder 2. Schüler, der von einer Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung)
oder einer Dyskalkulie (Rechenstörung) betroffen ist, leidet unter
psychosomatischen Störungen. Die Versagensängste bei diesen Kindern sind so
hoch, dass sie selber das Gefühl haben, sie werden die Schule nie schaffen und
fallen in ein seelisches Tief. Tobias Klassenlehrerin, die ihn auch in Deutsch
unterrichtet, empfiehlt der Mutter, mehr mit Tobias zu üben, denn er sei
einfach noch zu verträumt und mit mehr Einsatz ließe sich die Legasthenie
überwinden.
"Diese Empfehlung erhalten viele Eltern. Üben, üben und nochmals üben.
Mit einfachem Üben ist es bei Legasthenikern und Dyskalkulikern aber nicht
getan, denn sie müssen durch spezielle Förderprogramme den Zugang zum Lesen,
Schreiben oder Rechnen erhalten. Durch den gut gemeinten Rat der Lehrer, noch
mehr zu üben, stürzt man das Kind in einen Teufelskreis. Es strengt sich an,
verliert viel wertvolle Zeit mit sinnlosem Üben und Kind und Eltern sind
frustriert, weil man keine Fortschritte sieht. Das Kind verzweifelt dann an
sich selber, weil es keine Erfolgserlebnisse hat. Diese Belastung halten Kinder
nicht lange aus und der seelische Druck führt dann oftmals zum Schulversagen",
beklagt Christine Sczygiel, Vorsitzende des BVL, Bundesverband Legasthenie und
Dyskalkulie e.V..
Der BVL empfiehlt den Eltern, nachdem eine Legasthenie oder Dyskalkulie von
fachkompetenter Stelle diagnostiziert wurde, eine individuelle Legasthenie-
oder Dyskalkulietherapie zu beginnen. "Eigentlich hat die Schule die
Verantwortung, unseren Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Die
Lehrer sind meistens nicht ausgebildet, diese speziellen Förderprogramme im
Förderunterricht anzuwenden. Zusätzlich findet an den wenigsten Schulen
Förderunterricht statt und wenn er statt findet, werden in viel zu großen
Gruppen alle Problemkinder zusammengewürfelt - ohne auf ihren spezifischen
Förderbedarf Rücksicht zu nehmen", kritisiert Sczygiel.
Tobias erhält jetzt außerschulisch Förderunterricht bei einer
Legasthenietherapeutin, die eine Weiterbildung bei einer vom BVL zertifizierten
Weiterbildungseinrichtung gemacht hat. "Wir wollen jetzt keine wertvolle Zeit
mehr verlieren und haben deshalb nach einem qualifizierten Therapeuten gesucht.
Glücklicherweise haben wir in unserer Nähe eine gute Therapeutin gefunden.
Tobias ist jetzt seit einem Monat in Therapie und kommt immer strahlend nach
Hause, denn er sieht, dass er bereits Fortschritte macht. Tobias wird auch
seelisch wieder aufgebaut, denn die Therapeutin zeigt ihm auf, wie viele
Stärken er hat. Tobias hat durch die schwierige Situation in der Schule sein
Selbstvertrauen verloren, was nun langsam wieder zurückkommt", berichtet Tobias
Mutter. Tobias schöpft auch wieder Hoffnung und strahlt: "Vielleicht schaffe
ich es doch noch, Tierarzt zu werden, denn ich bin in vielen Dingen sehr begabt
und meine Therapeutin meint auch, ich kann das schaffen."
Weitere Informationen zum Thema Legasthenie und zum Bundesverband
Legasthenie und Dyskalkulie e.V. sind im Internet abrufbar unter www.bvl-legasthenie.de.
*Name wurde von der Redaktion geändert
Ansprechpartner
für Rückfragen zu dieser Pressemitteilung:
Annette Höinghaus
c/o
Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.
Postfach 11 07
30011
Hannover
E-Mail: hoeinghaus@bvl-legasthenie.de
Telefon: +49 4193 96 56 02


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