Nadines Eltern sollen jetzt überlegen, ob Nadine nicht besser auf einer
Förderschule aufgehoben wäre. Nadine und ihre Eltern sind verzweifelt, denn sie
wissen nicht, wie es überhaupt weiter gehen soll, weil es keine Fortschritte
gibt.
Nadines Mutter liest per Zufall einen Beitrag zur Dyskalkulie
(Rechenstörung) und wundert sich, warum die Lehrerin sie nicht über diese
Teilleistungsschwäche informiert hat. Sie sucht den Kontakt zum BVL,
Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. Das Beratungsgespräch und die
Schilderung der Mutter über Auffälligkeiten beim täglichen Üben zeigen schnell,
dass Nadine dringend auf Dyskalkulie getestet werden muss. Das Ergebnis der
Testung ist eindeutig. Nadine hat eine Dyskalkulie und braucht fachkompetente
Hilfe. Sie muss über eine spezielle Förderung lernen, einen Mengenbegriff
aufzubauen, denn sonst wird sie dauerhaft in Mathematik versagen und damit auch
in allen anderen Fächern, in denen Zahlen vorkommen.
"Nadine trägt daran
selber keine Schuld, denn sie ist weder dumm noch faul, sondern die Dyskalkulie
(= ein grundsätzliches Missverstehen der Mathematik) ist dafür verantwortlich,
dass sie kein Zahlen- und Mengenverständnis hat", erklärt Frau Palme vom BVL in
der Elternberatung. Die Dyskalkulie wird von den meisten Lehrern nicht erkannt
und viele Kinder müssen die Klasse wiederholen, obwohl das für sie keinerlei
Hilfe ist. Nur fachkompetente Dyskalkulietherapeuten können den Kindern den
Zugang zur Mathematik vermitteln, weil erst mal das Grundverständnis für den
Mengen- und Zahlbegriff geschaffen werden muss.
Die Lehrkräfte erfahren in ihrer Ausbildung selten etwas über Dyskalkulie
und sind auch nicht ausgebildet, betroffene Kinder zu fördern. "Eine
Klassenwiederholung ist nur dann sinnvoll, wenn das Kind auch in anderen
Fächern Probleme hat. Um die Rechenkompetenz zu verbessern, ist eine
Wiederholung der Klasse nicht sinnvoll. Das Kind braucht dringend eine
qualifizierte Förderung", rät Frau Palme vom BVL.
Nadine will nach den Ferien mit einer mathematischen Lerntherapie beginnen.
Sie ist erleichtert, dass jetzt die Ursache für ihr Problem gefunden wurde. In
allen anderen Fächern kommt Nadine gut in der Schule mit, denn sie verfügt über
eine ganz normale Begabung. "Kinder mit einer Dyskalkulie sind genauso begabt
wie andere Kinder auch. Circa 5 Prozent aller Schüler sind von einer
Rechenstörung betroffen. Leider wird in der Schule dieses Problem kaum oder
sehr spät erkannt, geschweige denn wird den Kindern angemessen geholfen",
beklagt Frau Palme.
Weitere Informationen zum Thema "Chancengleichheit herstellen,
Diskriminierung vermeiden" und zum Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie
e.V. sind im Internet abrufbar unter www.bvl-legasthenie.de.
Ansprechpartner
für Rückfragen zu dieser Pressemitteilung:
Annette Höinghaus
c/o
Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.
Postfach 11 07
30011
Hannover
E-Mail: hoeinghaus@bvl-legasthenie.de
Telefon: +49 4193 96 56 02


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