Das Verbot der Fernsehausstrahlung aller Filme, die erst ab 18 Jahren
freigegeben sind sowie die Einführung von Ganztagsschulen. Sabine Feierabend,
Medienwissenschafterin der Medienforschung des SWR, hält hingegen wenig von
einem Verbot.
"Ein Verbot ist eine einfache Formel, trägt aber nicht
zur Lösung des Problems bei. Darüber hinaus wäre so ein Verbot beim dualen
System in Deutschland schwer durchsetzbar und es würde in die Programmautonomie
der Sender eingegriffen werden", sagt sie im pressetext-Interview. Die
Einführung von Ganztagsschulen hält sie dagegen für begrüßenswert. "Im
Nachmittagsunterricht können Medienkompetenzen geschult werden. In manchen
Schulen wird ja bereits der Spieß umgedreht und die Schüler produzieren etwa
eigene Radiosendungen"; so Feierabend weiter.
Die Notwendigkeit einer
Medienkompetenz unter Kindern und Jugendlichen steigt. Nach Feststellung des
Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MFS), verfügen über die Hälfte
der 13- bis 15-Jährigen über einen eigenen Fernseher im Zimmer. Unter den
Sechsjährigen hat bereits jeder Vierte ein eigenes Gerät im Zimmer stehen. In
einer Repräsentativbefragung des Jahres 1998 gaben 18 Prozent der männlichen
und 13 Prozent der weiblichen Neuntklässler an täglich mehr als vier Stunden am
Tag vor dem Fernseher zu verbringen.
Wie Christian Pfeiffer betont,
haben 56 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jungen bei einer aktuellen Befragung
angegeben Filme, die wegen ihres jugendgefährdenden Inhalts erst nach 23 Uhr
ausgestrahlt werden, häufig anzuschauen. Unter den Mädchen gaben dies nur 25
Prozent an. Zwei Drittel der Jungen gaben in der Umfrage von 1998 an
Computerspiele regelmäßig zu nutzen. Ob ein Zusammenhang zwischen Delinquenz
und exzessiven Medienkonsum besteht, ist noch nicht wissenschaftlich bewiesen.
US-amerikanische Forscher der Stanford-Universität arbeiten dazu aktuell an
einem Feldexperiment. Pfeiffer verweist auch auf die Schulstatistiken der
vergangenen zehn Jahre, denen zu Folge die Schulleistungen der Jungen immer
schlechter werden.
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Linda Osusky
email: osusky@pressetext.com
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