Was so mancher Pädagoge schon in die Nähe der Anarchie rückt, ist für den
Leiter der Arbeitsgruppe Didaktik des Physik- und Astronomie-Unterrichts der
Friedrich-Schiller-Universität Jena "eine Möglichkeit, den Astronomie-Schüler
und darüber hinaus jeden Lernenden über die eigene, manchmal mühsam errungene
Erkenntnis zu einer richtigen Antwort zu führen". Folgerichtig ist dies ein
Thema der Tage der Schulastronomie vom 20. bis 22. Juli an der Jenaer
Hochschule. Gemeinsam veranstaltet von der Arbeitsgruppe um Prof. Lotze, dem
Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien
(ThILLM) und der Zeitschrift "Astronomie + Raumfahrt im Unterricht" wird die
bundesweite Fortbildungsveranstaltung von der Heraeus-Stiftung in der Deutschen
Physikalischen Gesellschaft sowie von Meade Instruments Europe unterstützt.
Annähernd 100 Pädagogen, Hochschullehrer und Wissenschaftler, aber auch
Studenten und Schüler aus ganz Deutschland treffen sich in Jena. Sie werden
während der drei Tage in Vorträgen und Workshops das Aktuellste sowie
Wissenswertes aus der Historie von Astronomie und Raumfahrt erfahren und sich
über didaktische Erfahrungen für die Gestaltung des Astronomieunterrichts
austauschen. Etwa zum "Chaos im Sonnensystem". Früher habe man die
sprichwörtliche Uhr nach den Sternen stellen können, aber es habe sich gezeigt,
dass das Sonnensystem keineswegs so stabil sei, wie man es lange geglaubt habe,
macht der Didaktiker von der Universität Jena deutlich. "Allerdings reden wir
da von astronomischen Zeiten, also durchaus über einige Milliarden Jahre",
umreißt Prof. Lotze die Dimensionen. Vorgestellt werden aber auch erste
Ergebnisse der europäischen Venus-Mission und des Hubble-Teleskops. Zudem
berichten Schüler über ihre Erfahrungen beim Einsatz von Schulfernrohren und es
wird Fotos der jüngsten Sonnenfinsternis zu bestaunen geben. Astronomie in der
Grundschule steht im Mittelpunkt des einen Workshops, während sich der andere
astronomischen Beobachtungen und Experimenten zuwendet.
Die wissenschaftlichen Vorträge seien keineswegs "mundgerecht", könnten in
ihrer Form nicht einfach für die Unterricht übernommen werden, betont Prof.
Lotze. "Die Lehrer müssen sich damit schon auseinandersetzen, den nächsten
Schritt selbst gehen, um die auf unserer Tagung gewonnenen Erkenntnisse an ihre
Schüler weitergeben zu können. Rezepte, wie derartiges Wissen vermittelt werden
kann, haben wir nicht."
Die Fachgruppe um Prof. Lotze lädt seit 2004 jährlich mit wachsender
Resonanz zu den Tagen der Schulastronomie. Die Wissenschaftler von der
Universität Jena setzen damit eine lange Tradition fort. Nach der Einführung
des Astronomie-Unterrichts um 1960 in den 10. Klassen in der DDR fanden
derartige Konferenzen seit 1964 in Sachsen statt. 17 Mal in loser Folge trafen
sich die Lehrer zu dieser spezifischen Fortbildung. Doch vor kurzem wurde
Astronomie als selbstständiges Fach, das es so in den alten Bundesländern nach
Worten von Prof. Lotze nie gab, in Sachsen abgeschafft. Damit standen auch die
Tage der Schulastronomie zur Disposition. "Wir in Jena haben uns entschieden,
sie fortzuführen." Das aus gutem Grund: Jena ist die einzige Universität in
Deutschland, deren Arbeitsgruppe Physikdidaktik auch die Astronomie in ihrem
Namen führt, also Physik- und Astronomie-Didaktik heißt.
Kontakt:
Prof. Dr. Karl-Heinz Lotze
Physikalisch-Astronomische Fakultät der
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Max-Wien-Platz 1, 07743 Jena
Tel.:
03641 / 947490
Fax: 03641 / 947492
E-Mail: kh.lotze[at]uni-jena.de

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