Für diese Aufgabe hatten die Forscher in Bonn extra einen sehr schnellen
Parallelrechner installiert. Mit einer eigens entwickelten Software waren sie
so
in der Lage, aus dem riesigen Datenwust die gewünschten Daten zu
gewinnen.
Wer den Nachthimmel von einem dunklen Ort aus beobachtet, erkennt leicht das
Band der Milchstraße, welches sich schon mit einem kleinen Teleskop
beeindruckend in Sterne auflösen lässt. Für den flüchtigen Blick scheinbar
uninteressanter sind die sternarmen Regionen des Himmels. Erst stundenlange
Beobachtungen mit Großteleskopen enthüllen auch in diesen sogenannten "leeren
Feldern" eine große Anzahl schwacher Objekte. "Während wir bei einem Blick in
die Milchstraße in unsere Muttergalaxie und damit in unsere kosmische
Nachbarschaft
schauen, erlauben es Beobachtungen leerer Felder, zu sehr weit
entfernten Orten unseres Universums vorzudringen", erklärt der Bonner Astronom
Professor Dr. Peter Schneider. Damit können Wissenschaftler auch Einblick in
die
Anfangsphasen unseres Universums gewinnen: Da das Licht aus diesen Regionen
schon viele Milliarden Jahre unterwegs war, bis es auf das Teleskop traf,
enthüllt das Bild, wie die weit entfernten Galaxien in ihrer "Kindheit"
aussahen
- das ist einer der Gründe, warum sich die Wissenschaft für derartige
Beobachtungsdaten
interessiert.
Im kürzlich abgeschlossenen "ESO Deep Public Survey"-Programm
beobachteten Astronomen daher gleich drei solcher scheinbar "leeren Felder" mit
dem 2,2-Meter-Teleskop der europäischen Südsternwarte (ESO) in La Silla, Chile.
Alle drei Felder, deren Fläche am Himmel jeweils viermal so groß ist wie der
Vollmond, wurden mit verschiedenen Farbfiltern betrachtet. So wollten die
Forscher Farbinformationen über die weit entfernten Objekte sammeln. Die
schiere
Größe der beobachteten Himmelsfläche, die Verwendung von fünf verschiedenen
Filtern und die extrem hohe Belichtungszeit (mehr als hundert Stunden je Feld)
führten zu einem gigantischen Datenaufkommen: Etwa anderthalb Terabyte an
Rohdaten - das ist etwa soviel, wie auf 2.000 CD-ROMs passt - können nicht mehr
mit üblichen Arbeitsplatzrechnern gehandhabt werden, zumal sich diese
Datenmenge
während der Aufbereitung zeitweilig noch vervielfacht.
"Wir haben daher für diese Aufbereitung - auch Datenreduktion
genannt - einen speziellen Parallelrechner installiert", sagt Professor
Schneider. In einem langjährigen Projekt unter der Leitung von Dr. Thomas Erben
mussten die Wissenschaftler dazu gleich auch noch die erforderliche Software
entwickeln, da nichts Vergleichbares auf dem Markt war. Nur sehr wenige Gruppen
weltweit sind überhaupt in der Lage, Daten dieser Art zu reduzieren.
Nach mehr als einjähriger Rechenarbeit konnten die Forscher nun 63 fertige
Bilder der weltweiten Gemeinschaft der Astronomen zur Verfügung stellen. Auf
den
Bildern sind neben galaktischen Sternen sowie nahen elliptischen und
spiralförmigen Galaxien auch extrem weit entfernte und entsprechend
leuchtschwache Objekte zu sehen. "Mit speziellen Farbselektionsmethoden können
wir beispielsweise Objekte auswählen, die so weit entfernt sind, dass das Licht
über 80% der Zeit seit dem Urknall unterwegs war", erklärt Hendrik Hildebrandt,
Doktorand am Argelander-Institut für Astronomie (AIfA). "Eine solche Selektion
ist auch bitter nötig, da sich auf manchen der Aufnahmen auf einer Fläche so
groß wie der Vollmond mehr als 50.000 Galaxien erkennen lassen." In diesen
Objekten sieht man also Galaxien, wie sie zur Zeit ihrer Kindheit ausgesehen
haben. Anstatt der regelmäßigen, symmetrischen Formen, die man aus dem nahen
Universum von Spiralgalaxien oder elliptischen Galaxien her kennt, dominieren
zu
diesen frühen Zeiten irreguläre Systeme, die sehr viele neue Sterne
bilden.
Hendrik Hildebrandt hat zusammen mit weiteren AIfA-Mitarbeitern inzwischen
mehrere Tausend dieser sogenannten "Lyman-break galaxies" gefunden. Eine der
erstaunlichsten Eigenschaften dieser jungen Galaxien ist, dass sie sich unter
dem Einfluss der eigenen Schwerkraft schon ähnlich stark "zusammenklumpen" wie
Galaxien heutzutage, obwohl sie für diesen Prozess erheblich weniger Zeit
hatten. Diese Klumpung kann mit Hilfe der Bonner Daten mit zuvor nicht zu
erreichender Präzision vermessen werden.
Kontakt:
Hendrik Hildebrandt
Argelander-Institut für
Astronomie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3673
E-Mail: hendrik@astro.uni-bonn.de
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.eso.org/outreach/press-rel/pr-2006/pr-14-06.html -
Pressemitteilung der europäischen Südsternwarte
Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie
unter:
http://idw-online.de/pages/de/news155342


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