Die Chemie dringt weiter in wissenschaftlich unbekannte Gebiete vor. Bis
1940 galt Uran als das schwerste chemische Element. Das in der Natur
vorkommende Metall trägt die Ordnungszahl 92, sind doch in seinem Atomkern 92
positiv geladene Protonen vorhanden. Seither sind über 20 nur künstlich
herstellbare Elemente mit höheren Ordnungszahlen entdeckt worden.
Geburtsstunde von Element 115
Schwere Elemente zerfallen über Kaskaden von elektrisch geladenen
Helium-Atomen, so genannten Alphateilchen. Solche Zerfallsketten nutzten
amerikanische, russische und Schweizer Wissenschaftler, um die bisher nur
theoretisch angenommenen und noch namenlosen Elemente 115 und 113 experimentell
nachzuweisen. Zur Synthese von Atomen des Elements 115 bombardierten die
Forscher eine rotierende Scheibe aus Americium, einem Transuran der
Ordnungszahl 95, mit einem Calcium-Strahl. Dabei traten in seltenen Fällen
Kernverschmelzungen auf: die Geburtsstunde des neuen Elements 115. Damit war
dessen Existenz aber noch nicht bewiesen. Seine Atome leben nur kurze Zeit,
etwa eine Zehntelssekunde, und sind daher schwierig aufzuspüren. Während
vorgängig der physikalische Nachweis von Element-115-Atomen durch spezielle
Detektoren bloss drei Treffer ergab, verlief der radiochemische Pfad fünfmal
erfolgreicher.
Radiochemischer Nachweis mit 15 Zerfallsatomen
Wie erwähnt zerfällt Element 115 unter Aussendung eines Alphateilchens
zuerst zu Element 113 und dann über weitere Emissionen von Alphateilchen
(Helium-Kerne) zu Dubnium mit der Ordnungszahl 105. Hier setzte der elegante
experimentelle Beweis des PSI-Teams an: Es installierte hinter der rotierenden
Americium-Scheibe eine Kupferplatte, welche die herausgeschleuderten
Element-115-Atome auffing. Wenn darauf sich nach einer gewissen Zeit
Dubnium-Atome (mit einer Halbwertszeit von 32 Stunden) nachweisen lassen, wäre
die Verifikation vollbracht. Tatsächlich konnten die Forscher insgesamt 15
Dubnium-Atome identifizieren und damit erfolgreich beweisen, dass die
angenommene Zerfallskette auch wirklich existiert. Der physikalische Nachweis
liess sich so radiochemisch untermauern.
"Die Schweizer Wissenschaft konnte eine Premiere feiern - wenn auch im
Ausland", bilanziert Heinz Gäggeler, Forschungsbereichsleiter am PSI und
Chemieprofessor an der Universität Bern, der die Schweizer Gruppe leitete. Beim
Wettlauf um die ständige Erweiterung des Periodensystems ist erstmals auch die
Schweiz vorne dabei. Die Versuche erforderten dazu jedoch den
Schwerionenbeschleuniger mit der weltweit höchsten Intensität an
Calcium-Strahlen. Diese Anlage steht im Kernforschungszentrum Dubna, 120
Kilometer nördlich von Moskau. Über 6000 Personen arbeiten in dieser riesigen
Forschungsstätte an den Ufern der Wolga.
Für weitere Auskünfte:
Prof. Dr. Heinz Gäggeler, Stv.
Direktor PSI, Leiter des PSI-
Forschungsbereichs Teilchen und Materie
(TEM)
Telefon +41 (0)56 310 24 04 oder (0)31 631 42 64;
heinz.gaeggeler@psi.ch
Der Text dieser Medienmitteilung sowie Bilder dazu lassen sich
vom
Internet herunterladen:
http://www.psi.ch/medien/medien_news.shtml
Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news145018

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