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Essen ist ein Lernprozess

Lernen beginnt im Kindesalter - Ein Baby wird geboren. Es tritt je nach Temperament lebhaft oder zögernd ans Licht der Welt. Eltern, die dies schon einmal erlebt haben, wissen, dass mit dem ersten Augenkontakt und dem ersten Schrei eine Verständigung einsetzt, die ohne Worte funktioniert.



Das Baby tritt nun in Kontakt mit der Außenwelt und lernt aus den gemachten Erfahrungen. Lernen beginnt also nicht erst im Kindergarten oder Schule, sondern setzt mit dem ersten Schrei ein. Dabei ist nur das Wichtigste angeboren. Mutter Natur gibt Kindern ein Überlebensprogramm mit auf den Weg. Angeboren ist ein Gespür für Hunger und Sättigung. Außerdem können Neugeborene die vier Geschmacksrichtungen süß, sauer, bitter und salzig unterscheiden. Sie sind anfangs aber Süß-Fans. Das ist auch klug eingerichtet. So schluckt kein Baby freiwillig etwas Bitteres runter, sondern es sucht die süße Muttermilch. Saures, Bitteres und Salziges wird erst durch Geschmackstraining interessant.

Waffeln und ein süßer Auflauf zum Frühstück? In den USA, Kanada oder Großbritannien ruft ein solches Frühstück wenig Verwunderung hervor. Wir Deutschen bestehen aber eher auf unserem herzhaften Brot mit Marmelade, Wurst oder Käse. So unterschiedlich wie die Sprachen in der Welt sind, so unterschiedlich sind auch die Essgewohnheiten. Ob ein Kind nun Porridge, Cereals, Brot, Speck oder Bohnen zum Frühstück wünscht, hängt davon ab, wo die Wiege der Eltern stand. So wie die Eltern zum Sprachtraining ihren Sprösslingen Worte vorsprechen, so leben sie ihnen ihre Essgewohnheiten Tag für Tag vor und trainieren sie mit ihren Kindern. Kinder lernen durch Beobachten, wissenschaftlich ausgedrückt "Lernen am Modell". Eltern stehen für ihre Kinder Modell, wirken also als Vorbild. Kinder ahmen ihre Eltern nach ? egal ob beim Essen oder beim Sport. Je jünger sie sind, desto eifriger. Vorbilder sind meistens Mutter, Vater, Lehrer, Freund, Freundin, Oma, Opa, Tante oder auch Fernsehstars oder Werbefiguren.

Ernährungsgewohnheiten werden im Kleinkindalter geprägt. Mit circa 8 Jahren sind sie gefestigt. Eine Studie der Universität Gießen mit Senioren zeigt sehr deutlich, dass diese Senioren noch immer an Ernährungsgewohnheiten festhalten, die sie in ihrer Kindheit verinnerlicht hatten. Die Gewohnheiten werden im Jugend- und Erwachsenenalter durch das Umfeld (Kochkenntnisse, Peer-Group, Mode, verfügbare Zeit etc.) modifiziert. Eltern tragen also in punkto Ernährung eine große Verantwortung. Wer seinem Kind eine gesunde Ernährungsweise vorlebt, hat große Chancen, dass das Kind sie automatisch übernimmt und auch als Erwachsener beibehält.

Dorle Grünewald-Funk, Ellwangen

http://www.aid.de/ernaehrung/kinder.cfm


 
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