Sie umfasst hauptsächlich Keilschrifttexte unterschiedlicher Gattungen, die
mehr als zweieinhalb Jahrtausende altorientalischer Kulturgeschichte
dokumentieren (bis zum 3. Jahrhundert v. Chr.). Vor allem wegen ihrer
zahlreichen Textzeugen sumerischer Literaturwerke, aber auch wegen solcher
Raritäten wie dem ältesten bekannten Stadtplan der Welt aus der Mitte des
zweiten Jahrtausends v. Chr. (Plan von Nippur), genießt die Jenaer Sammlung
Weltruf.
"Um die auf den Keilschrifttafeln verborgenen Informationen
Forschern aus aller Welt zugänglich zu machen, sind die meisten Texte
mittlerweile wissenschaftlich ediert worden", berichtet Prof. Dr. Manfred
Krebernik. Der Altorientalist von der Universität Jena betreut die einzigartige
Sammlung. So enthält der zuletzt erschienene sechste Band (2003) der "Texte und
Materialien der Hilprecht Collection" die sumerischen Beschwörungen der
Ur-III-Zeit (Ende 3. Jt. v. Chr.). In diesem Jahr erscheint Band 7 über die
aramäischen "Zauberschalen"
(4.-6. Jh. n. Chr.), die während eines
DFG-Projekts an Kreberniks Lehrstuhl bearbeitet worden sind. Im Rahmen eines
weiteren Kooperationsprojektes weilt die französische Mathematikhistorikerin
Dr. Christine Proust vom Pariser Centre national de la recherche scientifique
(CNRS) des Öfteren in Jena. Sie arbeitet an einem weiteren Band, der sich
mathematisch-metrologischer Texte annimmt.
"Mathematische Texte sind uns
vor allem vom Anfang des zweiten Jahrtausends v. Chr. überliefert", berichtet
Prof. Krebernik. "Aus ihnen geht hervor, dass damals bereits komplizierte
geometrische und algebraische Aufgaben praktischer und theoretischer Natur auf
der Grundlage eines sexagesimalen Zahlensystems, also basierend auf der Zahl
60, bewältigt worden sind", so Krebernik weiter. "Als Hilfsmittel dienten
verschiedene Tabellen-Tafeln, die die Vielfachen verschiedener Grundzahlen
("Einmaleins") sowie deren Kehrwerte oder Quadratwurzeln auflisten", erläutert
Christine Proust.
"Mathematik und Metrologie waren neben Schrift,
Grammatik und Literatur Gegenstand einer vieljährigen Schreiberausbildung",
berichtet die Historikerin. Sie erforscht die Einbettung der genannten
Übungstafeln in das allgemeine Schulcurriculum. Hierbei kommt den besonderen
Übungstontafeln aus der Hilprecht-Sammlung, die mathematisch-metrologische
Listen mit Texten anderen Inhalts kombinieren, eine besondere Bedeutung zu. So
enthält beispielsweise
eine Tafel auf der einen Seite eine metrologische
Liste, auf der anderen zweisprachige Übungen, die dem Erlernen der um 2000 v.
Chr. ausgestorbenen sumerischen Sprache dienten (siehe
Fotos).
Kontakt:
Prof. Dr. Manfred Krebernik
Institut für Sprachen
und Kulturen des Vorderen Orients
Fürstengraben 6, 07743 Jena
Tel.: 03641
/ 944871
E-Mail: x8krmn@uni-jena.de
Zu dieser
Mitteilung existieren Bilder im WWW. Siehe
http://idw-online.de/pages/de/image15947
Vorderseite der
Tontafel mit zweisprachigen Übungen
http://idw-online.de/pages/de/image15948
Die Rückseite mit
metrologischer Liste


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