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Von 1697 und 1700 / Früheste Musik-Handschriften des jungen Johann Sebastian Bach entdeckt

Weimar (rpo). Experten sprechen von einem musikgeschichtlich überaus bedeutenden Fund: In Weimar sind die beiden bislang frühesten Musikhandschriften von Johann Sebastian Bach aufgetaucht. Sie lassen auf die Lehrjahre des jungen Musikers schließen. Eines der Dokumente stammt aus der Zeit um 1697, das andere entstand um 1700.



Forscher des Leipziger Bach-Archivs entdeckten die Schriften in der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek. "Dieser Fund lässt eindeutig die Schlussfolgerung zu, dass Bach beim Lüneburger Organisten Georg Böhm in die Lehre gegangen ist", sagte Peter Wollny vom Bach-Archiv am Donnerstag in Weimar. Damit könnten die Jugendjahre in Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Biografie konkretisiert werden, über die es bislang hauptsächlich Spekulationen gegeben habe. Beide Handschriften seien um 1697 und 1700 in Lüneburg auf Papier aus dem Besitz Böhms angefertigt worden.

 

 

Nach Angaben Wollnys haben die Forscher die Handschriften aufgrund graphologischer Vergleiche mit anderen frühen Bach-Handschriften eindeutig zuordnen können. "Ich war selten von einer Schreiberidentifizierung so überzeugt wie von dieser hier", sagte Wollny. Der jugendliche Bach habe bereits eine sehr gefestigte Schrift besessen, die keiner anderen bekannten Schrift aus dieser Zeit gleiche. Dennoch lasse sich an gewissen Ähnlichkeiten zwischen Bachs Schrift und der von Böhm eine Schüler-Lehrer-Beziehung ablesen.

 

Bei den beiden Handschriften handelt es sich nicht um Kompositionen Bachs, sondern um Abschriften zweier Werke von Johann Adam Reinken und Dietrich Buxtehude. Die Konsequenzen für die Bachbiografie seien allerdings weit größer als nach dem Fund der unbekannten Bacharie im vergangenen Jahr, erläuterte Michael Maul vom Bach-Archiv. So müsse aufgrund der Komplexität der abgeschriebenen Werke und aufgrund von zusätzlichen Anmerkungen davon ausgegangen werden, dass bereits der 13-jährige Bach ein besserer Orgelspieler war als Musiker, die viele Jahrzehnte Praxis an der Orgel hatten.

 

Die Abschriften seien vermutlich in Bachs Gepäck über Arnstadt und Mühlhausen nach Weimar gekommen, wo sie im frühen 19. Jahrhundert in die Handschriftensammlung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufgenommen wurden. Während des Brandes im September 2004 lagerte die Sammlung sicher im Tresor im Weimarer Residenzschloss.

 

Die Handschriften werden ab 1. September in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek ausgestellt, ab dem 21. September sind sie im Bach-Archiv Leipzig zu sehen. Darüber hinaus plant das Bach-Archiv eine Monografie zur Bedeutung des Funds und ein Faksimile.

 

http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wissenschaft/so nstiges/349915


 
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