Selbst
da, wo der Hebel zur Bewältigung richtig angesetzt scheint, gibt es immer neue
Blockaden. Auch der Sport muss da keine Beispiele schuldig bleiben. Nehmen wir
nur den Diskussions-Dauerbrenner Bewegungserziehung im Kindes- und Jugendalter.
Sie sind noch gut in Erinnerung, die Jahre der bildungspolitischen
Unzulänglichkeiten, der sportpolitischen Ohnmacht und der
gesellschaftspolitischen Gleichgültigkeit. Mit dem Treten auf der Stelle wurde
ein Zustand des permanenten Missvergnügens sogar halbwegs freundlich
umschrieben. Fortschrittsdenken im Schulsport blieb jedenfalls ein gewagtes
Unterfangen.
Doch zuletzt gab es immerhin Lichtblicke. Und zwar seltsamer
Weise auf der Basis eines beeindruckenden Mängel- und Versäumniskatalogs. Die
PISA -Studie mit ihren schlechten Noten für den Bildungsstand der jungen
Menschen in unserem Lande im europäischen Vergleich ging einher mit
Untersuchungsergebnissen zur körperlichen Befindlichkeit. Übergewichtig,
bewegungsgestört und gesundheitsgefährdet seien erschreckend viele Kinder, so
die Schlagzeilen. Und das wiederum lasse für die weitere Entwicklung nur das
Schlimmste befürchten. Die Reaktionen von Ärzten, Elternvertretungen und
Pädagogen schienen endlich den sprichwörtlichen Ruck in der Bildungslandschaft
auszulösen. Zumal wissenschaftlich erneut untermauert wurde, dass geistige und
körperliche Lernprozesse in einem kerngesunden Abhängigkeitsverhältnis zu
einander stehen.
Als wäre das noch nicht genug, demonstrierten sozusagen
im Gleichklang mit den Reaktionen auf die Alarmsignale der organisierte Sport
und die Kultusministerkonferenz den lang ersehnten Schulterschluss. Gibt es also
endlich dauerhafte Entwarnung? Hat sich doch noch ein spätes Bildungswunder
ereignet? Bevor Euphorie sich breit machen kann, fordern die schulsportlichen
Realitäten von Hamburg bis Bayern schnell wieder Ernüchterung. Großzügige
Reformen haben gegen kleinmütige Zwänge offensichtlich keine Chance. Vor allem
dann nicht, wenn die Finanzkeule das politische Geschehen dominiert. Von wegen
Aufbruchstimmung im Schulsport. Bis auf Weiteres gilt: Treten auf der Stelle ist
ein sehr freundlicher Sachstandsbericht.
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