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Kommentar: Schulsport oder Treten auf der Stelle

Harald Pieper (10.04.2004) - Reformstau allerorten, eine Frustschwelle, so niedrig wie nie, gesellschaftlicher Katzenjammer, wo man hinschaut. Die Problempakete wiegen schwer, und die Befürchtung, sich zu verheben, wächst weiter.



Selbst da, wo der Hebel zur Bewältigung richtig angesetzt scheint, gibt es immer neue Blockaden. Auch der Sport muss da keine Beispiele schuldig bleiben. Nehmen wir nur den Diskussions-Dauerbrenner Bewegungserziehung im Kindes- und Jugendalter. Sie sind noch gut in Erinnerung, die Jahre der bildungspolitischen Unzulänglichkeiten, der sportpolitischen Ohnmacht und der gesellschaftspolitischen Gleichgültigkeit. Mit dem Treten auf der Stelle wurde ein Zustand des permanenten Missvergnügens sogar halbwegs freundlich umschrieben. Fortschrittsdenken im Schulsport blieb jedenfalls ein gewagtes Unterfangen.
Doch zuletzt gab es immerhin Lichtblicke. Und zwar seltsamer Weise auf der Basis eines beeindruckenden Mängel- und Versäumniskatalogs. Die PISA -Studie mit ihren schlechten Noten für den Bildungsstand der jungen Menschen in unserem Lande im europäischen Vergleich ging einher mit Untersuchungsergebnissen zur körperlichen Befindlichkeit. Übergewichtig, bewegungsgestört und gesundheitsgefährdet seien erschreckend viele Kinder, so die Schlagzeilen. Und das wiederum lasse für die weitere Entwicklung nur das Schlimmste befürchten. Die Reaktionen von Ärzten, Elternvertretungen und Pädagogen schienen endlich den sprichwörtlichen Ruck in der Bildungslandschaft auszulösen. Zumal wissenschaftlich erneut untermauert wurde, dass geistige und körperliche Lernprozesse in einem kerngesunden Abhängigkeitsverhältnis zu einander stehen.

Als wäre das noch nicht genug, demonstrierten sozusagen im Gleichklang mit den Reaktionen auf die Alarmsignale der organisierte Sport und die Kultusministerkonferenz den lang ersehnten Schulterschluss. Gibt es also endlich dauerhafte Entwarnung? Hat sich doch noch ein spätes Bildungswunder ereignet? Bevor Euphorie sich breit machen kann, fordern die schulsportlichen Realitäten von Hamburg bis Bayern schnell wieder Ernüchterung. Großzügige Reformen haben gegen kleinmütige Zwänge offensichtlich keine Chance. Vor allem dann nicht, wenn die Finanzkeule das politische Geschehen dominiert. Von wegen Aufbruchstimmung im Schulsport. Bis auf Weiteres gilt: Treten auf der Stelle ist ein sehr freundlicher Sachstandsbericht.

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