Zum Auftakt des Bundesfinales von "Jugend forscht" wurden am Donnerstag mit Silke Lepschies aus Bremen und Sebastian Hess aus dem nordrhein-westfälischen Wiehl zwei Finalisten präsentiert, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Die moderne Bremerin Lepschies und Hess, der so ganz den Stereotypen eines Wissenschaftlers und Forschers entspricht, gehören zu den 218 Jugendlichen aus ganz Deutschland, die sich mit 120 Projekten für das Finale in den sieben Kategorien Technik, Physik, Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik qualifiziert haben.
Das scheint zu funktionieren. Noch nie schafften es - trotz harter Regional- und Landeswettbewerbe - mehr Projekte als in diesem Jahr in die Endrunde. Gleich geblieben ist nur die Geschlechterverteilung - gut Dreiviertel der Jungforscher sind männliche Teilnehmer. Erwartet stark im Gesamtfeld sind die Bayern vertreten. Der Freistaat schickt gleich elf Projekte ins Rennen.
"Viele Jungforscher arbeiten sehr berufsorientiert. Oftmals gründen Teilnehmer bereits eigene Unternehmen um ihr Projekt herum", berichtet der Präsident der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Jury-Mitglied Hans-Jürgen Bieneck.
So weit ist Silke Lepschies noch nicht. Die 19-jährige Landessiegerin aus Bremen besucht die 12. Klasse des Hermann-Böse-Gymnasiums. Die ausgebildete Rettungssanitäterin hat einen "Intelligenten Patienten-Trage-Stuhl" entwickelt. Nach dem Prinzip einer Sackkarre kann damit ein einziger Sanitäter Patienten treppabwärts transportieren. Räder und eine hydraulische Absetzvorrichtung übernehmen den ruckelfreien Transport die Stockwerke hinab.
Nach dem Landessieg kamen zwar Sponsoren, doch für eine Patentanmeldung reicht es noch nicht. "Mit 3000 Euro ist das zu teuer. Die Entwicklung wirtschaftlich zu nutzen, so weit bin ich noch nicht", sagt die clevere wie sportliche Standard- und Latein-Tänzerin und leidenschaftliche Karaoke-Sängerin aus der Hansestadt.
Solch profane Hobbys wären für Sebastian Hess eine Strafe. Der 19-Jährige widmet sich seit jüngster Kindheit ganz der Wissenschaft. "Während andere in der Grundschule irgendwelche Spielzeuge sammelten, war mein Hobby meine Mineralien-Sammlung", sagt der Abiturient mit einem erwarteten Schnitt von 1,7 bis 1,8. Aquaristik, Einzeller und Biologie allgemein sind seine Steckenpferde. Sport, Fernsehen, Fußball oder Kino schrecken ihn eher ab.
Hess will den Juroren beweisen, dass es in Europa eine Moosart gibt, die zu den fleischfressenden Pflanzen gehört. Das hat er in vielen Stunden bei Feldversuchen und am heimischen Mikroskop entdeckt. Traurig findet er allerdings, dass er nur selten Menschen trifft, mit denen er sich ausgiebig über Forschung und Wissenschaft unterhalten kann.
Die Gründe für mangelndes Interesse der Jugendlichen an der Wissenschaft liegen oftmals in der Schule, sagt "Jugend forscht"-Geschäftsführerin Krautkrämer-Wagner. Die Präsentation von Naturwissenschaften im Unterricht führe dazu, dass anfängliches Interesse schnell wieder verfliege. Silke Lepiesch und Sebastian Hess stimmen dem aus Erfahrungen an der eigenen Schule zu. (ddp) Quelle:Kölner Stadt-Anzeiger 26.5.05


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