Von einem bundesweiten Zentralabitur versprechen sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) eine bessere Vergleichbarkeit bei den Leistungen der Schüler, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Vertreter anderer Bundesländer machten sich ebenso für Oettingers Vorschlag stark.
Noch im August wollen sich die Kultusminister der unionsregierten Länder dem Bericht der Zeitung zufolge auf eine gemeinsame Position verständigen. Im Oktober soll die Kultusministerkonferenz über den Vorschlag abstimmen. "Es kann nicht sein, dass es von Land zu Land Wissensabstände von bis zu einem Jahr gibt“, sagte Schneider der Zeitung. Der CSU-Politiker schlägt bundesweit einheitliche Abiturprüfungen in Mathematik und Deutsch vor. Sie sollten, wenn möglich, an einem Tag geschrieben werden.
Ziel sei es, den Schülern höhere Anforderungen für das Abitur zu stellen. Auch ließen sich ihre Leistungen besser vergleichen, wenn alle die selben Aufgaben lösen müssten. Bayerische Schüler könnten sich dann mit jenen aus anderen Bundesländern messen. "Das ist echter Wettbewerbsföderalismus", wird der Minister zitiert. Auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) und die NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) sprachen sich in der Zeitung für bundesweit einheitliche Abiturprüfungen aus. Für die Einführung des Zentralabiturs ist ein einstimmiger Beschluss der Kultusministerkonferenz notwendig.
Auch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU) sprach sich für bundesweit einheitliche Abiturprüfungen aus. Niedersachsen habe mit dem Zentralabitur sehr gute Erfahrungen gemacht, sagte er in Hannover. Die Qualität des vorangehenden Unterrichts sowie die Vergleichbarkeit der Ergebnisse hätten sich deutlich gesteigert. In Niedersachsen gibt es seit 2005 zentrale Abiturprüfungen.
Für ein bundeseinheitliches Abitur seien jedoch eine ganze Reihe von Vorarbeiten erforderlich, so Busemann. Die Schüler müssten in allen Ländern gut vorbereitet sein, zudem solle der Unterricht, der den Prüfungen in den letzten beiden Jahren vorausgehe, in den Themensetzungen stärker vergleichbar werden. Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnete Busemann die jüngst von der Kultusministerkonferenz in veränderter Fassung beschlossenen "Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung".
Zu den Gegnern des Zentralabiturs gehört Doris Ahnen, Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz (SPD). Es bringe "keine qualitative Verbesserung", begründete der Ministeriumssprecher ihre Haltung. Mehr Vergleichbarkeit und Mobilität sei alleine mit einer Einheitsprüfung nicht zu erreichen. Vielmehr müssten die gemeinsamen Bildungsstandards weiter ausgeweitet werden. Die Einheitsprüfung bringe gewaltige Probleme mit sich, allen voran zeitgleiche Schulferien für alle Bundesländer. Denn zentrale Prüfungen müssten selbstverständlich deutschlandweit an einem Tag stattfinden.
Die Eltern- und Lehrerverbände kritisieren den Vorschlag aus den unionsregierten Ländern als unüberlegt: "Da wird wieder etwas losgetreten, ohne über die Folgen nachzudenken", sagte Dieter Dornbusch, Vorsitzender des Bundeselternrats.
Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Philologenverbands, forderte stattdessen gemeinsame Bildungsstandards, wie sie für den Mittleren Bildungsabschluss bereits existierten. Beim Abitur gebe es bisher nur schwammig formulierte Prüfungsanforderungen.
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, zweifelte an der rechtlichen Umsetzbarkeit eines bundesweiten Zentralabiturs. Für ihn seien allenfalls freiwillige Zusammenschlüsse zwischen Bundesländern vorstellbar.
Quelle: RP-Online
http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/deutschla nd/467045

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