Statt in der Schule Vokabeln
zu pauken saßen die Jugendlichen im Kino. Schüler aus Görlitz und Umgebung
fühlten sich mit Hilfe des russischsprachigen Films ?Lilija 4 ever? in die
fremde Sprache ein. Das für den Oskar nominierte Werk ist der Höhepunkt der noch
bis zum 7. Mai in verschiedenen Städten Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens
stattfindenden 2. Europäischen Filmwochen. Ziel ist es, das Bewusstsein für den
Formenreichtum des europäischen Films zu schärfen.
Nicht nur Hollywood
macht Filme. Die gezeigten Filme behandeln die vielen Grenzen zwischen Kulturen,
Ländern, Kindheit und Erwachsenwerden oder Grenzen als Bewährungsprobe für
Freundschaften.
370 Schüler sahen das hochkarätige Programm, eine Zahl,
die den Kinder- und Jugendfilmdienst nicht unbedingt zufrieden stellt. So
konnten nur sieben von 16 Filmen gezeigt werden. Angesichts der massiven Werbung
in den Schulen habe man sich bis zu tausend Zuschauer erhofft, so Klaus Mehnert
von der Görlitzer Regionalstelle des Jugendfilmdienstes. Immerhin können die
angebotenen teilweise fremdsprachigen Filme eine große Hilfe für den Unterricht
sein. Die Schüler erleben das Land mit allen Sinnen und nicht nur aus trockenen
Büchern.
Die Schüler des Bautzener Schiller?Gymnasiums nahmen ?Lilija 4
ever? positiv auf. ?Das ist nicht kitschig, sondern authentisch. Besonders
gefallen hat mir, wie die Desillusionierung der Heldin gezeigt wird?, so die
17-jährige Caroline. Den Selbstmord der Heldin sieht die gleichaltrige Doreen
als einzig mögliche Konsequenz aus deren Situation. Kritischer sahen den Film
hingegen die Lehrerinnen, denen das gezeigte Russlandbild zu negativ war: ?Das
ist nicht der Alltag, Russen lieben normalerweise ihre Kinder.?
Zwei
achte Klassen der Görlitzer Gymnasien sahen das in Cannes ausgezeichnete
Road-Movie ?Gestohlene Kinder?. Der Ethik?Lehrer Steffen Krebs vom
Annen-Gymnasium behandelt ihn im Rahmen der Themen ?Erwachsen werden? und
?Obrigkeiten?. ?Dieser Film bietet Diskussionsstoff?, so der
Lehrer.
Trotz alterstypischer Unruhe im Kinosaal interessierte der Film
die Achtklässler, wenn auch die 14-jährige Viviane das offene Ende nicht schön
fand. Aber: Das Lernen mit Filmen macht Spaß, und es gilt das Wort des
achtjährigen Dominik, der mit seiner Klasse den Kinderfilm ?Kleine Helden?
besuchte: ?Hauptsache schulfrei!?.
Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=594019


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