Die Erinnerungsstätte erweitert mit dem neuen Angebot ihr museumspädagogisches Programm zu Ursachen, Verlauf und Folgen der Fluchtbewegung aus der DDR.
„In der Projektarbeit und auch im Unterricht ist die
Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte und der Beziehungsgeschichte der
beiden deutschen Staaten oft unterbelichtet. Die individuellen
Lebensgeschichten der Flüchtlinge, ihre Erlebnisse und Erfahrungen in Ost und
West eröffnen jungen Menschen einen anschaulichen Zugang zu diesem Thema“, lobt
Wilfried Seiring, ehemaliger Leiter des Berliner Landesschulamts, die
Materialien für die biografische Spurensuche. 1957 als junger Student aus der
DDR geflohen, hat Seiring selbst beide Seiten der Grenze kennen gelernt.
Manfred Schmitz, stellvertretender Vorsitzender des Berliner
Geschichtslehrerverbandes und Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Bildung,
Wissenschaft und Forschung, bekräftigt: „Die Biografien der Flüchtlinge und
Übersiedler aus der DDR führen eindrücklich vor Augen, wie sehr die Geschichte
Ost- und Westdeutschlands miteinander verwoben war – auf der persönlichen wie
auf der politischen Ebene. So lernen Schülerinnen und Schüler, die Jahre der
Teilung und die Aufarbeitung des SED-Regimes als gemeinsame Geschichte und als
gemeinsame Aufgabe heute zu begreifen.“
Die Vermittlung an die nachfolgende Generation ist zentrales Anliegen
der Erinnerungsstätte Not-aufnahmelager Marienfelde. „Das breite Spektrum an
Themen und Materialien in der Dauerausstellung – von den Fluchtursachen bis zu
den Herausforderungen bei der Integration – eröffnet vielfältige Zugänge zur
deutschen Nachkriegsgeschichte bis 1990. Außerdem bieten sich zahlreiche
Anknüpfungspunkte für aktuelle Fragestellungen“, erläutert die
Bildungsreferentin Kathrin Zinkmann. Das nun vorliegende Angebot richtet sich
an Schüler der Jahrgangsstufen neun bis elf. Als nächstes wird ein
Projektangebot für die Oberstufe erarbeitet, das die Bundesrepublik als
Einwanderungsgesellschaft thematisiert. Neben den Schülerprogrammen bietet die
Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde regelmäßig Lehrerfortbildungen
an.
Pressekontakt:
Kathrin Zinkmann,
Bildungsreferentin
Erinnerungsstätte Notaufnahmelager
Marienfelde
Marienfelder Allee 66-80
12277 Berlin
Tel.: 030 - 756 57
394
E-Mail: k.zinkmann@notaufnahmelager-berlin.de
Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde
Rund vier Millionen
Menschen verließen zwischen 1949 und 1990 die DDR in Richtung Bundesrepublik;
1,35 Millionen von ihnen passierten das 1953 gegründete Notaufnahmelager
Marienfelde. Ihre Biografien sind ebenso wie die Konflikte des Kalten Krieges
mit diesem Ort verbunden.
Heute erinnert die Ausstellung „Flucht im geteilten Deutschland“ an
dieses zentrale Kapitel deutscher Geschichte und deutscher Lebensgeschichten.
In sieben Themenräumen spannt sie den Bogen von der Entscheidung zum Verlassen
der DDR bis zur gesellschaftlichen Eingliederung in die Bundesrepublik. Sie
zeigt, wie es den Menschen trotz Kontrolle, Gewalt und Repression der
DDR-Regierung gelang, Grenze und Mauer zu überwinden und im Westen neu zu
beginnen. Besonderes Augenmerk gilt dem Geschehen in Marienfelde: dem
Notaufnahmeverfahren, dem Leben im Aufnahmelager und der Bespitzelung von
Flüchtlingen durch die Staatssicherheit. Thema eines eigenen Raumes sind Flucht
und Ausreise im Spiegel der Kunst.
Systematisch setzt die Ausstellung wichtige politische Entwicklungen
mit persönlichen Erfahrungen der Flüchtlinge und Übersiedler in Beziehung. Sie
stellt Einzelbiografien und Fallbeispiele vor und lässt an vielen Audio- und
Videostationen Zeitzeugen zu Wort kommen.
Am Ende des Ausstellungsrundgangs gibt eine rekonstruierte
Flüchtlingswohnung aus den 1950er Jahren einen Eindruck von den Lebensumständen
im Notaufnahmelager.
Neben der ständigen Ausstellung bietet die Erinnerungsstätte
Notaufnahmelager Marienfelde regelmäßig Sonderausstellungen sowie ein
vielfältiges Veranstaltungs- und Bildungsprogramm.
Im Juni 1998 stufte der Deutsche Bundestag die Erinnerungsstätte
Notaufnahmelager Marienfelde als Gedenkstätte von gesamtstaatlicher Bedeutung
ein.


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