Der Spiegel TV-Dokumentarfilmer und passionierte Stöberer in alten Film-Archiven gilt als Purist und ist grundsätzlich gegen jegliches Nach-Inszenieren historischer Ereignisse. Prof. Hermann Schäfer, Präsident des Hauses der deutschen Geschichte, hat dagegen kein Problem mit der filmischen Rekonstruktion von geschichtlichen Zusammenhängen. Schließlich kommen nach solchen Filmen viele Besucher in sein Museum, um zu sehen wie es wirklich war. Geschichte könne also gar nicht spannend und emotional genug vermittelt werden, die Grenze sei erst da zu ziehen, wenn Fakten verfälscht würden.
Bärbel Boley, als DDR-Bürgerrechtlerin selbst ein Teil der Geschichte, sieht das ähnlich, kritisiert die etwas nüchterne und kühle Berichterstattung des Fernsehens über die letzten Tage des kommunistischen Regimes. Solche großen Schritte mache man nur, wenn auch große Emotionen dahinter stehen. Diese bedürfen daher einer emotionalen Vermittlung. Außerdem sei im Fernsehen öfter über Täterwie Markus Wolf als über die Opfer des Regimes berichtet worden klagt Boley an und schafft damit die ideale Überleitung zu dem neben ihr sitzenden Marc Rothemund, dessen Film über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl zur Zeit viel diskutiert wird.
Rothemund betrachtet es als Verpflichtung Geschichte zu erzählen, gerade in einer Zeit, in der neo-nazistische Vereinigungen wieder öffentlich aufmarschierten. Auf die Frage nach dem Film über die Weisse Rose von Michael Verhoeven sagt Rothemund, solche Filme haben die Halbwertzeit einer Generation, jede Generation müssen ihre eigenen Filme über Themen wie den deutschen Widerstand machen und dementsprechend modern aufbereiten. Zur Zeit sei er zum Beispiel am´Berliner "Runden Tisch" interessiert! Sprichts und wird gleich belehrt, der vielzitierte Tisch sei eigentlich rechteckig gewesen und darüber hinaus hätten dort überwiegend Stasi-Spitzel daran gesessen, so Bärbel Boley.
Alexandra Ortmann, Preisträgerin des Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, selbst interessiert am eher wissenschaftlichen Umgang mit Geschichte, beschreibt aber auch die prägende Wirkung von historischen Spielfilmen wie "Schindlers Liste" oder "Der Soldat James Ryan" auf ihre Altersgenossen. Noch heute trage sie die abschreckenden Bilder der filmischen Normandie-Invasion im Kopf, so die Studentin. Das versteht auch Michael Kloft und zitiert Überlebende der Schlacht, die im Kino die gleichen Gefühle erlebten wie am Original-Schauplatz, obwohl der Film an einer ganz anderen Küste gedreht wurde. Gerade aus diesem Grund müsse Geschichte also nicht nur in Archiven aufgenommen, sondern neu geschaffen, neu inszeniert werden fügt Patrick Hörl hinzu und findet Unterstützung von Prof. Schäfer: Sämtliche historischen Exponate seines Museums seien in irgendeiner Form in Szene gesetzt worden. Nichts sei schlimmer als sie unerklärt zu lassen, wie abstrakte Gemälde einer Kunstaustellung, die nur von Experten in ihrer Gänze erfasst würden.
Viel Konsens am Ende der Diskussion also, Michael Kloft kann sich mit einem breitgefächerten Umgang mit Geschichte durchaus arrangieren und Patrick Hörl zeichnet ein Bild des neuen Senders in Form einer großen Spielfläche, auf der modern inszenierte Beiträge genauso ihren Platz finden wie klassische Dokumentationen. Auch solche von Michael Kloft!
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