Eröffnet wurde diese Ausstellung am Dienstag, 24.5.05 von Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Die Ausstellung im Centrum Judaicum bleibt bis 14. August geöffnet. Anschließend ist die Schau im Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück (4. September bis 16. Oktober) und im Museum der polnischen Unabhängigkeit Lodz (November 2005 bis Februar 2006) zu sehen.
Darf man "Holocaust-Kunst" wie zum Beispiel die von KZ-Häftlingen gemalten Bilder außerhalb von Auschwitz in einer reinen Kunstausstellung zeigen? Sind sie überhaupt außerhalb der Aura des Entstehungsortes begreifbar? Dass in Auschwitz auch eindrucksvolle Kunstwerke aus eigenem Recht entstanden sind, ist bis heute für viele nicht vorstellbar. Es ist ein riskantes Unterfangen, was das Centrum Judaicum in Berlin in Angriff genommen hat, wenn es erstmals in Deutschland eine Ausstellung "Kunst in Auschwitz 1940-1945" zeigt.
Die illustrierten Briefe, idyllischen Landschaften, Akt-, Jagd- und Ernteszenen, Bilder vom Aufbau der Lagerhallen und Industriewerke und vor allem die Porträts, ob in Öl, als Bleistiftzeichnungen oder Aquarelle von polnischen Künstlern, Kunststudenten und Hobbymalern unter den KZ-Häftlingen verfehlen auch in Berlin nicht ihre Wirkung. Der Betrachter muss sich nur einen Augenblick in Erinnerung rufen, unter welchen Umständen die oft lebensfrohen oder romantischen, dann wieder auch erschütternden Bilder aus dem Lageralltag entstanden sind. Sie sind der verzweifelte Versuch vieler Häftlinge, einen winzigen Teil ihrer menschlichen Würde zu retten.
Die in Berlin gezeigten Kunstwerke sind eindringliche Zeugnisse menschlicher Verrohung unvorstellbaren Ausmaßes - Auschwitz wurde zum Synonym für den Massenmord an den Juden Europas -, aber auch "selbstständige ästhetische Kunstwerke", wie die Ausstellungsmacher betonen. Die Arbeiten sollen auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten von Auschwitz künden, wenn überlebende Zeitzeugen davon nicht mehr berichten können.
Die überlieferten Kunstwerke sind entweder legal, illegal oder halblegal entstanden. So ließ der berüchtigte KZ-Arzt Josef Mengele auch Porträts von "Zigeunerhäftlingen" für seine medizinischen Experimente anfertigen, wobei der Krankheitsverlauf detailliert festgehalten werden musste. Auch andere SS-Angehörige beauftragten die inhaftierten Künstler mit Gefälligkeitsarbeiten, obwohl KZ- Kommandant Rudolf Höß "derartige unsinnige und kitschige Arbeiten" untersagte, um die Arbeitskraft der Häftlinge nicht zu schwächen, wie er meinte.
"Mein Vater musste SS-Männer mit ihren Familienangehörigen und ihren Hunden porträtieren, was er als Chance zum Überleben ansah", erzählte die Tochter eines damaligen KZ-Insassen am Montag bei der Vorbesichtigung der Ausstellung in Berlin, die bis zum 14. August zu sehen ist.
Neben Bildern und anderen Kunstgegenständen wie Kleinskulpturen oder Fingerringe, die auf Befehl für das offizielle Lagermuseum oder auf Grund heimlicher Gefälligkeiten für das Lagerpersonal entstanden, sind viele Arbeiten im Verborgenen geschaffen worden, nicht zuletzt die Porträts und Selbstporträts, aber auch Szenen mit blutig geschlagenen Häftlingen oder Knüppel schwingenden Aufsehern. Malen, um zu vergessen und vor allem um zu überleben. Ein Überlebender von Auschwitz erinnerte sich später: "Du hast nicht Kunst im Sinn gehabt zu jener Zeit, du wolltest nur nicht irrsinnig werden."
(Link: www.cjudaiucum.de)


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