Sie verkleidet den massiven Betonbau und wechselt je nach Bedarf die Farben. Eine geniale Idee der Basler Architekten: Ein Stadion, das den Erregungszustand der Fans spiegeln oder auch nur schlicht in den Farben der Heimspielmannschaft leuchten kann. Den Testlauf mit halber Zuschauermenge hat das Stadion bereits gut bestanden. Ende Mai hatte der neue Münchner Hexenkessel mit 66.000 Besuchern seine große Bewährungsprobe: Am 30. und 31. Mai übernahmen Bayerns große Kicker die Arena, zuerst die Löwen im Spiel gegen Nürnberg, dann Bayern München gegen die deutsche Nationalmannschaft.
Die beiden 1950 geborenen Baseler, Jacques Herzog und Pierre de Meuron, zählen zu den erfolgreichsten und einflussreichsten Architekten der Gegenwart. "Früher waren Fußballstadien ein klassischer Ort für Arbeiter: offene Häuser, in denen es gerade mal einen Wurst- oder Bierstand gab", erklärt Jacques Herzog. "Heute hingegen sind Stadien wie kleine Städte. Sie sind eng mit anderen Kulturbauten verwandt. Deshalb haben wir unser Stadion immer mit einem Opernhaus verglichen." Ihr Vorbild war indes nicht ein tönender Kulturtempel, sondern die englischen Hexenkessel, bei denen sich alles lautstark und emotionsgeladen aufs Fußballfeld konzentriert.
Wenn's darum geht, Subventionen für solch gigantische Stadien locker zu machen, greifen auch Politiker gern zu dem Vergleich und machen das Fußballstadion zur "Oper des kleinen Mannes" oder gar zur "Kathedrale des 21. Jahrhunderts". Die Münchner hatten indes für den umstrittenen Stadionbau noch ganz andere Vergleiche auf Lager: Wasserspielzeug. Doch Architekt Pierre de Meuron nimmt's mit Humor. Die Zustimmung, auch von anfänglichen Kritikern, hat das außergewöhnliche Stadion längst auf seiner Seite.
Weitere Informationen unter http://www.br-online.de/kultur-szene/thema/allianz-arena/index.xml

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