Ort: Haus Witten, Ruhrstr. 86, 58452 Witten, Eintritt: 5, erm. 3 Euro
Weitere Infos: Kontakt: Klaus-Bernhard Tetzlaff, Tel.: 02302/926-594
Joseph Beuys, 1921 geboren, stieg aus der Fluxusbewegung und der Bewegung der „68er-Generation“ wie ein Komet auf, stellte im Guggenheim-Museum in New York aus, auf der Biennale in Venedig und fünf Mal auf der „documenta“ in Kassel. Er war der große Anreger in der modernen Kunst nach der Pop- und Minimal-Art. Wie schon Schiller fast zweihundert Jahre vorher stellte er alle Lebensaspekte unter die Frage der Kunst, so dass seine „Theorie des Plastischen“ auch die „Soziale Plastik“ mit umfasste. In dieser ist „jeder Mensch ein Künstler“, der kreativ an der Evolution des sozialen Organismus mitwirken kann und muss, wenn „Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben“ erreicht werden soll. Sein Werk spricht symbolisch und illustrativ von diesem Weg. Er betrachtete es als einen „Parallelprozess“ zu seinem sozialen Engagement.
(Pressemitteilung http://notesweb.uni-wh.de/wg/orga/wgorganisation.nsf/name/pmcontent-DE?OpenDocument&ID=B9A7D178D3022CBEC1257011002ED3B6)
„...1961 wurde Joseph Beuys als Professor für Bildhauerei an die Düsseldorfer Kunstakademie berufen. Sein Antrittskapital war die Lehre vom "erweiterten Kunstbegriff".
Diese in Idealismus und Romantik verwurzelte Weltanschauung beruht auf der Erkenntnis, dass sich die Aufgabe des Künstlers in der Arbeit mit den bildnerischen Mitteln von einst nicht erschöpft. Vielmehr sei es dem Künstler aufgetragen, auf jede Weise Bewusstsein zu formen ‑ das eigene, aber auch das der Mitmenschen, wobei sich die allmähliche Veränderung aller überlebten menschlichen Institutionen ‑ Schule, Wirtschaft, Staat ‑ zwingend ergeben werde. Beuys erweiterte die Breite seines Schaffens auf alle zur Verfügung stehenden Medien seiner Zeit, mit dem Ziel der Umwandlung von Erstarrtem hin zu einer auf den Menschen bezogenen schöpferisch, lebendigen Gestalt. Auf diesen in seiner Konsequenz politischen Weg ist Beuys durch Friedrich Schiller gekommen. In seinen Briefen "Über die ästhetische Erziehung des Menschen" (1793/94) hatte der Dichter den "Bau einer wahren politischen Freiheit" als das "vollkommenste aller Kunstwerke" gefeiert.
Von Schillers anthropologischer Ästhetik hatte Beuys auch die Kraft abgeleitet, die den Menschen erneuern und zu Freiheit und Selbstbestimmung befähigen soll. Schiller meinte, dass "es die Schönheit ist, durch welche man zu der Freiheit wandert". Beuys ersetzte den Begriff "Schönheit' durch den Ausdruck "Kreativität'. Diese Schöpfer‑Kraft, von jeher dem Künstler zugestanden, sei keineswegs Alleinbesitz dieser Berufsgruppe, sondern jedem Lebewesen mitgegeben. Mit seinem Kreativitäts‑Dogma erweiterte der Evolutions‑Anhänger Beuys nicht nur den Kunstbegriff. Zum Missvergnügen seiner Kollegen nivellierte er auch den bis dahin eher elitären Begriff vom Künstler, als er feststellte: „Jeder ist ein Künstler" und damit aufgefordert zur „Gestaltung der sozialen Plastik"...
„Ich behaupte, dass dieser Begriff „soziale Plastik“ eine völlig neue Kategorie der Kunst ist. Eine neue Muse tritt den alten Musen gegenüber auf! .. Sie trägt den zukünftigen Begriff von Plastik, der vor jedem andren Begriff von Plastik Vorrang hat. Ich schreie sogar: es wird keine brauchbare Plastik mehr geben, wenn dieser soziale Organismus als Lebewesen nicht da ist. Das ist die Idee des Gesamtkunstwerkes, in dem jeder Mensch ein Künstler ist." (Joseph Beuys,1982)
In seinen plastischen Bildern versuchte Joseph Beuys Natur, Mythos, Wissenschaft und Alltagsleben eins werden zu lassen. Mit dem Begriff der "Sozialen Plastik" hat Beuys die Kunst um den Wärmebegriff erweitert. Seine Ideen sah er nicht als subjektive Erfindungen, sondern als naturgesetzgleiche Prinzipien im Bereich des sozialen Lebens. Mit der Parteiengründung für "Direkte Demokratie durch Volksabstimmung", der "Freien Universität für Interdisziplinäre Forschung"(FIU) und Projekten wie "7000 Eichen" und "Honigpumpe am Arbeitsplatz" und der Mitgründung der Partei " Die Grünen", setzte Beuys seine Ideen in Praxis um.“
(aus: art 2/1983, S.74)


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