Aber sie geht unseren Eltern auch auf die Nerven! Natürlich gibt es Ausnahmen, aber meistens sind die für uns wohlklingenden Töne zu laut, der Grund für Beschwerden aus der Nachbarschaft und natürlich ein Anstoß für Streitereien zwischen Kind und Eltern. Doch wenn unsere Musik nicht richtig ist, was hat die Elterngeneration denn in ihrer Jugend gehört? Gab es da keine lauten rebellischen Klänge und keinen Kleidungsstil passend zur Musik? Wir haben mal am Gymnasium in Ludwigslust nachgefragt.
"Gerade wegen meinem Beruf ist mein Musikgeschmack sehr vielfältig. Ich war früher ein großer Fan von Soul und Disco-Pop, das war ja auch eher die gängige Richtung", sagt Martina Wulff, Lehrerin für Musik und Deutsch. "Natürlich hat man oft versucht, Musiksendungen, die es hier im Osten nicht gab, im Westfernsehen zu verfolgen. Es gab auch durchaus die Chance, Konzerte bestimmter DDR-Bands zu besuchen, ein Karat-Konzert beispielsweise hat mich wirklich sehr fasziniert. Mir haben vor allem die tiefgründigeren Texte der Musik gefallen, was ich im Rock oder Pop heute oft vermisse. Natürlich hat man sich früher auch dementsprechend gekleidet. Schlaghosen und Jeans (wenn auch nicht einfach zu bekommen) waren ein absolutes Muss. Was mich an der heutigen Musik stört sind die doch eher primitiv aufgebauten Titel. Würde man die englischen Texte ins Deutsche übersetzen, müsste man wohl oft feststellen, wie sinnlos sie sind."
Peter Tiedemann, Lehrer für Sport, AWT und Sozialkunde, hat in seiner Jugend überwiegend die Beatles und die Rolling Stones gehört, die natürlich eher typisch für Westmusik waren. "Aber auch ostdeutsche Rockmusik hat mir sehr gefallen", sagt Peter Tiedemann, "beispielsweise die Phudys. Leider war es für uns sehr schwierig Platten zu bekommen, deswegen versuchte man so oft wie möglich Westdeutsche Sender zu hören, wie beispielsweise Radio Luxemburg. Natürlich habe auch ich mich in meiner Jugend passend zur Musik gekleidet. Typisch dafür waren gerade Schlaghosen, Jacketts und Weiße Hemden mit Rüschen. Ich kann also mit Bestimmtheit sagen, dass ich sehr von meiner Musik beeinflusst wurde, und sie mich geprägt hat, auch wenn wir damals nicht die Möglichkeit hatten, Konzerte zu besuchen. Für mich war der sogenannte Jugendtanz immer sehr interessant, bei dem Live-Bands in Warlow auftraten und genau darauf geachtet wurde, den richtigen Anteil an Ostmusik zu spielen. Ich finde es gut, dass die heutige Jugend ein sehr vielfältiges Angebot an Musik vorfindet, auch wenn es dann schwer fällt, sich einzuordnen. Die Möglichkeit, heute Konzerte jeglicher Art zu besuchen gefällt mir. Unsere Jugend sollte das nutzen, denn sie ist mobil!"
Ekkehard Detenhoff, Lehrer für Chemie, Biologie und Informatik, war früher ein großer Fan von Popmusik. "Gerade Phil Collins, die Bee Gees und Abba haben mir sehr zugesagt. Von der Deutschen Welle allerdings war ich gar nicht begeistert. Ich lege durchaus Wert auf richtige Instrumente. Zu DDR-Zeiten besaß ich nicht viele Platten, da man an vieles einfach nicht herangekommen ist. Deswegen saßen wir früher oft vor dem Radio, um heimlich unsere Musik aufzunehmen. Groß beeinflusst hat mich meine Musik damals jedoch nicht. Aber auch in der heutigen Jugend merkt man, dass die alte Musik wieder aktuell wird."
jg
Quelle: Ludwigsluster Tageblatt


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