Die Grundlage dafür liefert ihm die Laserspektroskopie, die er entscheidend prägte - und für die er 2005 mit Hohn Hall und Roy Glauber den Physik-Nobelpreis erhielt.
Ein Interview mit dem Wissenschaftler verrät mehr.
Woher kommt die Leidenschaft für Präzision?
Hänsch:
Weil Präzision in unserer komplexen Welt etwas sehr Schönes ist. Und
sie gibt uns die Möglichkeit, Dinge überaus genau zu messen. Beispielsweise
Naturkonstanten - und wie konstant sie wirklich sind. Dahinter steckt die
Frage, wie weit unser Naturverständnis tatsächlich reicht.
Und was bedeutet es, wenn Naturkonstanten
Dann sind sie nicht mehr gottgegeben, und lassen sich wahrscheinlich nicht mathematisch beschreiben und vorhersagen. Das würde unser Bild vom Universum dramatisch verändern.
Sie rütteln auf der Erde an den Grundfesten des
Universums: Was ist das für ein Gefühl?
So als ob man ein wenig
hinter einen Vorhang schaut und neue Geheimnisse entdeckt. Vor zehn Jahren
hätten wir dabei noch gar nicht daran gedacht, jemals Naturkonstanten so exakt
zu vermessen. Mit einer Empfindlichkeit im Experiment, die weit über das hinaus
geht, was Astronomen im Weltall beobachten. Und denen stehen im "Naturlabor"
Universum eine ganze Menge Daten zur Verfügung.
Es herrscht also zurzeit sehr viel Bewegung in der
Physik?
Auf jeden Fall! Dank ultrakalter Gase kommen wir mit
Methoden der Atomphysik Phänomenen wie der Supraleitung auf die Spur. Das ist
eine sehr, sehr aufregende Entwicklung.
Hätten Sie gedacht, dass die Physik solche Fortschritte
macht?
Von Monat zu Monat schreitet der Forschritt viel zu langsam
voran, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt viel rasanter als man glaubt. Und auf einmal
steht man selbst staunend vor der Entwicklung. Mein Bonner Wissenschaftskollege
Dieter Meschede beispielsweise spielt mit ultrakalten Atomen wie mit
Bauklötzchen. Das ist faszinierend.
Bedeutet der Nobelpreis für Sie mehr Vor- oder
Nachteile?
Es bedeutet zunächst einmal, dass ich weiterforschen
darf. Und das ist eine Chance, die ich natürlich gerne nutze, aber es bedeutet
auch, dass ich mehr im Fokus der Politik und Öffentlichkeit stehe. Meine Stimme
findet Gehör, meine Meinung ist gefragt. Damit sind viele Verpflichtungen
verbunden, die mich wieder aus der Forschung rausreißen.
Was macht Ihnen an der Forschung Spaß?
Jetzt gerade? Nun, Forschung besteht aus vielen Facetten. Und
manchmal sind es Kleinigkeiten, die einen beschäftigen und deren Lösung Spaß
macht. Zurzeit denke ich darüber nach, wie man optische Resonatoren gegen
Vibrationen absichern kann. Erst das macht so präzise Messungen möglich, wie
wir sie brauchen. Das Problem klingt simpel, aber es braucht schon jede Menge
Tricks dazu.
Sie wollten immer Physiker werden?
Ich
wollte immer Wissenschaftler werden. Da boten sich Chemie, Biologie, Medizin
und die Physik an. Aber weil ich mir nicht gut Dinge ohne logischen
Zusammenhang merken kann, habe ich mich für Physik entschieden. Da kann ich mit
ein paar grundlegenden Kenntnissen alles andere logisch herleiten - wenn ich
die Physik dahinter verstanden habe.
Oft wird bemängelt, dass junge Leute kein Interesse an
Naturwissenschaften haben. Glauben Sie das auch?
Junge Menschen
sind doch von Natur aus neugierig. Darauf müssen wir schon im frühen Alter
aufbauen und mehr tun, um spielerisch die Lust und Leidenschaft für
Wissenschaft zu wecken.
Bei so viel Leidenschaft für Präzision - wie aufgeräumt ist Ihr Schreibtisch? Im Labor - überhaupt nicht. Zuhause räume ich ihn auf.
Quelle: RP-Online
http://www.rp-online.de:80/public/article/aktuelles/wissen/weltrau m/432364


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