Das Besondere daran: Die ganze Welt, zumindest die mit einem Internetanschluss, kann zuschauen. Denn über eine Webcam wird die Pendelbewegung aufgenommen und ist, einen schnellen Internetanschluss vorausgesetzt, in Echtzeit am heimischen Bildschirm zu verfolgen. Das führte dieser Tage auch dazu, dass die das Foucault'sche Pendel aufnehmende Webcam:
http://www.kip.uni-heidelberg.de/OeffWiss/Pendel-Internetauftritt/
index.html zu einer der zehn besten der Welt gekürt wurde und zwar
von "EarthCam", einem der führenden Anbieter von Webcam-Software und -Technik,
der mehrmals im Jahr diese Auszeichnung vergib (http://www.earthcam.com/topten.php ).
Die Juroren von "Earthcam" rieten die Website des Foucault'schen Pendels
alle paar Stunden zu besuchen und nachzudenken. Denn es ist vor allem die
ständige Aktivität des Pendels, die einen besonderen Reiz ausübt. Es schwingt
nämlich nicht nur einfach hin und her, sondern wirft dabei auch noch kleine, in
einem Kreis rund um das Pendel aufgestellte Metallstifte um. Damit wird
verdeutlicht, dass sich die Schwingungsebene des Pendels entsprechend der
Erddrehung verändert. So werden etwa alle 40 Minuten zwei der 48 kleinen Stifte
umgekippt. Damit aber nicht irgendwann die Stifte darniederliegen und ein
Institutsmitarbeiter sie wieder aufstellen muss, werden sie allezwölf Stunden
durch einen elastischen Faden automatisch aufgerichtet.
Die Theorie und deren praktische Umsetzung, die hinter dem Foucault'schen
Pendel steckt, gehen auf das Jahr 1851 zurück. Damals baute der französische
Physiker Jean Bernard Léon Foucault ein 67 Meter langes Pendel mit einem 28
Kilogramm schweren Pendelkörper, an dessen unteren Ende sich eine Spitze
befand, die mit jeder Schwingung eine Spur in einem Sandbett markierte. Dabei
zeigte sich bald, dass sich die Schwingungsebene des Pendels scheinbar
veränderte, denn im Sand entstand eine Art Rosette. Da die Lage der
Schwingungsebene des Foucault'schen Pendels aber fest stand, musste sich die
Erde unter dem Pendel bewegen und damit war der Nachweis der Erdrotation
gelungen.
Entsprechend des Breitengrades an dem das Pendel schwingt, wirkt sich die
Erdrotation scheinbar auf die Schwingungsebene des Pendels aus. "Bei einem
direkt über dem Nord- oder Südpol aufgehängten Pendel würde sich die Erde in 24
Stunden unter dem Pendel um 360 Grad drehen", erläutert Dr. Robert Weis, der
unter anderem für die Webcam zuständige Mitarbeiter am Heidelberger
Kirchhoff-Institut. Am Äquator dagegen würde die Aufhängung des Pendels mit um
die Erdachse herumwandern, was den Effekt der Erdrotation aufheben würde.
Entsprechend der Lage Heidelbergs, zwischen dem 49. und 50. Grad nördlicher
Breite, dreht sich die Schwingungsebene des Pendels scheinbar um etwa 270
Grad.
Erbaut wurde das beinahe zwölf Meter lange Foucault'sche Pendel vor fast
vier Jahren durch Ekkehard Müller als Zulassungsarbeit für das Staatsexamen in
Zusammenarbeit mit vielen Werkstätten auf dem Campus "Im Neuenheimer Feld".
Damit das Pendel nicht irgendwann durch den Luftwiderstand etwa zur Ruhe kommt,
hat es zusätzlich noch eine Art Antrieb. Dieser besteht aus einem Magneten, der
eingeschaltet wird, bevor die fast 69 Kilogramm schwere Metallkugel des Pendels
den Mittelpunkt der Bodenplatte auf der sich die Metallstifte befinden
erreicht. Somit wird das Pendel bei jedem Durchgang etwas beschleunigt, genau
so viel, damit es nicht zur Ruhe kommt, aber auch nicht zu stark ausschlägt.
Das Foucault'sche Pendel ist übrigens nicht das einzige Pendel im
Kirchhoff-Institut für Physik. Gleich gegenüber hängt ein so genanntes
chaotisches Pendel, das aus drei Armen besteht, die teilweise wild umeinander
kreisen. Auch dieses Pendel möchte Robert Weis gerne über eine Webcam ins
Internet stellen, doch bisher ist die Technik noch nicht in der Lage derart
schnelle Bewegungen wie sie das chaotische Pendel ausführt ruckelfrei im
Internet zu übertragen. In absehbarer Zukunft wird jedoch auch diese Technik zu
Verfügung stehen und dann gibt es mit dem chaotischen Pendel einen weiteren
Kandidaten für die Top Ten der Webcams.
Stefan Zeeh
Weitere Informationen:
Dr. Robert Weis, Kirchhoff-Institut
für Physik der Universität
Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 227
69120
Heidelberg
Tel. 06221 549130
weis@kip.uni-heidelberg.de
Allgemeine Anfragen von Journalisten auch an:
Irene
Thewalt
Pressestelle der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542311, Fax
542317
presse@rektorat.uni-heidelberg.d
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