Nachrichten Service Rubriken Grundschule Sek. I Sek. II Förderschulen Sonstiges Shop

Wenn für Bauern eine schlechte Ernte gut ist Professor Jürgen Heinrich erklärt, was ein "Preis" ist

JÜRGEN HEINRICH, DORTMUND HANDELSBLATT, Der Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage, das weiß jeder Papagei, spottete Paul A. Samuelson, 1970 der erste Nobelpreisträger der Ökonomie. Was aber ist Angebot, was ist Nachfrage?



Wenn Güter, wie etwa Rohstoffe oder Wertpapiere, an Börsen gehandelt werden, entscheiden die Mengen von Angebot und Nachfrage direkt über den Preis. Und weil die Nachfragemenge bei Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten meist recht stabil ist, hat vor allem die Veränderung der Angebotsmenge Einfluss auf die Preisbildung. Steigt zum Beispiel die Angebotsmenge von Kaffee, so sinken die Kaffeepreise. Und weil die Nachfrage in der Regel stabil ist, sinken die Preise prozentual meist wesentlich stärker als es dem Anstieg der Angebotsmenge entspricht.

Daher gilt der alte Spruch: "Für den Bauern ist eine gute Ernte schlecht und eine schlechte Ernte gut. "Und dies erklärt, warum Produzenten solcher Produkte, zum Beispiel von Erdöl oder Sojabohnen, häufig versuchen, ihr Angebot zu verknappen: Was sie an Menge verlieren, holen sie doppelt und dreifach über die Preise wieder herein.

Im Regelfall werden die Preise aber vom Hersteller kalkuliert, und der Nachfrager entscheidet dann, ob er den Preis zahlen will. Wenn Volkswagen den Preis für einen Golf auf 20 000 Euro kalkuliert, deckt dieser Preis meist die Kosten. Er wird außerdem im Vergleich zu den Preisen vergleichbarer Autos für konkurrenzfähig gehalten und erwirtschaftet einen Stückgewinn. Dieser Stückgewinn ist von Branche zu Branche und von Konjunktur zu Konjunktur unterschiedlich. Er beträgt aber im Durchschnitt für die Unternehmen der deutschen Industrie meist 2,5 bis 3,5 Prozent des Preises, vor Abzug von Gewinnsteuern.

Der Nachfrager vergleicht die Preise der für ihn interessanten Güter mit seiner subjektiven Wertschätzung. Wenn ein Nachfrager bereit ist, einen Golf für 20 000 Euro zu kaufen, heißt dies, dass der subjektive Gebrauchswert, auf den Maßstab des Geldes gebracht, mindestens 20 000 Euro entspricht und dass dies im Preis-Leistungsvergleich das für ihn günstigste Angebot ist.

Im Preis speichert sich also das Wissen, das sich im Wettbewerb entwickelt; das Wissen um Produktionskosten, um Konkurrenzfähigkeiten und Produktqualitäten. So ist der Preis ein optimales Informationskonzentrat, das, wie mit unsichtbarer Hand, den Produktions- und Tauschprozess steuert. Die Preise insgesamt sind damit nicht das Ergebnis menschlicher Vernunft, sondern das Resultat einer spontan entstehenden und sich verändernden Wettbewerbsordnung. Sie können auch nicht berechnet werden, weil das dafür notwendige Wissen nicht gesammelt und zentral verarbeitet werden kann.

An dieser Unfähigkeit, richtige Preise kalkulieren zu können, also Preise, die die Produktionskosten und die Präferenzen der Verbraucher reflektieren, ist die Planwirtschaft gescheitert. So hatte die DDR bis zu ihrem Untergang noch weitgehend die deutschen Industrieverrechnungspreise von 1938 zu Grunde gelegt, die die Knappheiten und Präferenzen der realen DDR-Wirtschaft auch nicht annähernd abbilden konnten.

Im Wirtschaftsleben gibt es fast unendlich viele Preise. Allein in die Berechnung des Preisindex für die Lebenshaltung gehen 750 Warengruppen mit rund 350 000 Einzelpreisen ein, zum Beispiel "Schwarze Johannisbeermarmelade von Zentis bei Rewe gekauft". Die meisten Preise sind den Menschen nicht bekannt. Man interessiert sich nur für die Preise solcher Güter, die für einen Kauf in Frage kommen.

So ist das Preissystem ein System der Wissensteilung, in dem jeder Akteur nur Ausschnitte des Geschehens überblickt und nur Fragmente des Wissens verarbeitet. Dies reicht aber zur Steuerung der Wirtschaft. Der Preismechanismus ist ein billiges und effizientes Koordinationssystem.

Heinrich, Jürgen


 
 Diese Seite per Email weiter empfehlen  ·   Druckversion
 · 
 Newsletter abonnieren

 


Bestellen Sie gleich hier Ihren Newsletter:
Ihr Name:

Ihre Emailadresse:


Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Naturamed
Anzeige
steuertipps.de
Anzeige
Copyright © 2007 TeachersNews
Hosted by Oberdieck Online GmbH       an den Seitenanfang springen