Waren können ohne besondere Genehmigung das Land verlassen oder nach Deutschland eingeführt werden. Es gibt keine Hemmnisse bei der Abfertigung und keine Hürden in Form von bürokratischen Regeln zu Gesundheit, Technik oder Verbraucherschutz.
In Europa ist Freihandel im Rahmen des europäischen Binnenmarktes weitgehend erreicht. Weltweit wird dieser Zustand durch allgemeine Zollsenkungen im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO angestrebt und durch die Errichtung von Freihandelszonen (zum Beispiel in Nordamerika oder Asien) gefördert. Freihandel ist damit das zentrale Element und der zentrale Beweggrund der Globalisierung der Weltwirtschaft.
Freihandel nutzt die Vorteile weltweiter Arbeitsteilung. Kein Mensch produziert das alles selbst, was er braucht: Kein Bauer stellt seine Traktoren selbst her, kein Bäcker baut selbst Getreide an, kein Leser schreibt sich selbst seine Zeitung. Jeder produziert das, was er gut und billig produzieren kann und tauscht dies dann gegen die Erzeugnisse der anderen. Dies gilt auch und gerade für Länder und über Ländergrenzen hinweg. "Wenn uns ein fremdes Land mit einer Ware wohlfeiler versehen kann, als wir sie selbst zu machen im Stande sind, so ist es besser, dass wir sie ihm mit einem Teile vom Erzeugnis unseres eigenen Gewerbefleißes, in welchem wir vor dem Auslande etwas voraushaben, abkaufen", schrieb der Ökonom Adam Smith 1776.
Freihandel nutzt also die Unterschiede in den Produktionskosten zwischen Menschen, Firmen, Regionen und Ländern. Jedes Land produziert das, was es am besten und billigsten kann. Unterschiede in den Produktionskosten entstehen auf den ersten Blick dadurch, dass Rohstoffe ungleich verteilt sind, oder dass das Klima dem einen Land erlaubt, günstig Kaffee anzubauen, während das andere Land besser Kartoffeln erzeugt.
Wichtiger sind aber Unterschiede in der Ausstattung mit den Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital. Ein Land, das - wie zum Beispiel Argentinien oder Kanada - über viel und damit billigen Boden verfügt, kann relativ günstig solche Produkte erstellen, die in der Produktion viel Boden verbrauchen, also etwa Rindfleisch, Getreide oder Holz. Ein anderes Land, das über viel und damit billige Arbeitskräfte verfügt - wie zum Beispiel China oder Indien - kann relativ günstig Produkte erstellen, die in der Produktion viel Arbeit verbrauchen, wie etwa Textilien oder Möbel. Und ein Land wie Deutschland, das über viele und hochentwickelte Maschinen verfügt, kann relativ günstig solche Produkte erstellen, die maschinenintensiv produziert werden, wie beispielsweise Autos oder Werkzeugmaschinen.
Am wichtigsten sind aber die allgemeinen Spezialisierungsvorteile jeder Arbeitsteilung. Wenn Firmen sich auf die Produktion bestimmter Produkte spezialisieren, können sie diese Produkte in großer Serie unter Einsatz spezieller Maschinen günstiger produzieren, als wenn sie viele unterschiedliche Produkte in kleiner Serie erstellen. Sie nutzen so die Kostenvorteile der großbetrieblichen Massenproduktion. So spezialisieren sich nur wenige Firmen und Länder zum Beispiel auf die Produktion von Flugzeugen oder Lokomotiven. Sie realisieren damit Kostenvorteile und tauschen die Produkte anschließend über Ländergrenzen hinweg. In diesem Effekt liegt der entscheidende Vorteil der europäischen Integration, der entscheidende Vorteil der Osterweiterung und der entscheidende Vorteil der Globalisierung: Die Produkte werden billiger, die Preise sinken. Einer politischen Integration bedarf es dazu nicht. Freihandel ist genauso gut zwischen ganz unterschiedlichen Kulturen und politischen Systemen möglich.
Freihandel ist sogar dann für die beteiligten Länder vorteilhaft, wenn eines der Länder in der Produktion aller Güter einen Kostenvorteil hat. Wichtig ist nur, dass relative Kostenvorteile existieren. Dies hat David Ricardo (1772 - 1823), neben Adam Smith der führende Vertreter der englischen Klassik, in einem der berühmtesten ökonomis
chen Lehrsätze dargelegt. Dieses Theorem der komparativen Kostenvorteile kann an einem einfachen Beispiel (das von Paul A. Samuelson stammt) erklärt werden: Ein berühmter Rechtsanwalt sei gleichzeitig Weltmeister im Maschinenschreiben, kann also beides besser als jede andere Person. Dennoch lohnt es sich für ihn, sich auf die juristische Beratung zu spezialisieren und eine Bürokraft für Schreibarbeiten zu beschäftigen. Der Grund: In der Zeit, die er für Büroarbeiten einspart, verdient er so sehr viel mehr Geld für Rechtsberatung, dass er die Bürokraft bezahlen kann und noch einen Überschuss erzielt. Seine komparativen Vorteile, also seine vergleichsweisen Vorteile, liegen in der Rechtsanwendung. Die komparativen Vorteile der Bürokraft liegen im Schreiben.
Heinrich, Jürgen

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