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Der Kampf um die Kunden
Prof. Hans Kaminski über den "Wettbewerb"

HANS KAMINSKI, OLDENBURG HANDELSBLATT, 4.6.2004 Dem französischen Ökonomen Frederic Bastiat (1801 - 1850) verdanken wir die bissige Satire der Kerzenmacher: "Wir müssen (...) die unerträgliche Konkurrenz einer ausländischen Rivalin hinnehmen, (...) die bei der Produktion von Licht von Bedingungen profitiert, die unsere bei weitem übersteigen, und so unseren Markt mit Licht zu absurd herabgesetzten Preisen geradezu überschwemmt.(...)Diese Rivalin ist niemand anderes als die Sonne.(...)Wir fordern die Einführung eines Gesetzes, das den Verschluß aller Fenster, Dachluken, Lichtöffnungen Fensterläden, Vorhänge (...) gebietet ."



In der Tat: Das Wettbewerbsprinzip ist ein Grundprinzip marktwirtschaftlicher Ordnungen. Von wirtschaftlichem Wettbewerb können wir dann sprechen, wenn Unternehmen miteinander wetteifern und danach trachten, mit ihren Leistungen für ihre Kunden einander zu übertreffen.

Die Anreiz- und Kontrollwirkungen des Wettbewerbs waren schon immer zentraler Untersuchungsgegenstand in den Wirtschaftswissenschaften. Der Ökonom Friedrich August von Hayek bezeichnete den Wettbewerb als "Entdeckungsverfahren", das den Anbietern und Nachfragern Signale in Form von Preisen gibt.

Grundsätzlich unterscheidet man in diesem Zusammenhang zwei Arten von Prozessen. Zum einen gibt es den Austauschprozess zwischen Anbieter und Nachfrager. Zum anderen den Parallelprozess zwischen zwei Anbietern. So entsteht immer dann ein Druck auf Anbieter eines bestimmten Produkts, wenn die Nachfrager die Möglichkeit haben, Unterschiede in den Leistungen zwischen den Anbietern zu erkennen und das günstigere Parallelprodukt auszuwählen. Dies zwingt Anbieter immer wieder, zusätzliches Wissen über die Ursachen, zum Beispiel für den Rückgang von Nachfrage, zu sammeln und darauf zu reagieren. Solche Reaktionen können darin bestehen, den Preiswettbewerb zu stimulieren oder andere Formen von Werbung einzusetzen.

Neben seiner ökonomischen hat der Wettbewerb auch eine bedeutsame gesellschaftspolitische Dimension, da er die Entfaltungsmöglichkeiten der individuellen Freiheit gewährleistet. Viele Menschen fassen Wettbewerb immer wieder als Bedrohung auf. Sie machen den Wettbewerb dafür verantwortlich, dass sie sich permanent auf neue Situationen einstellen müssen. Wettbewerb wird als Aufkündigung von Solidarität betrachtet und ist deshalb immer höchst suspekt. Damit einher geht ein Versuch, ganze Lebensbereiche aus dem Wettbewerb auszunehmen. Ob es um Wohnungen, um Arbeitsplätze, ob es um medizinische, karitative oder soziale Dienste geht: Immer wird in gedanklichen Polen gedacht, und Kooperation, Solidarität sowie Wettbewerb als sich gegeneinander ausschließend angesehen. Derjenige, der sich in diesen Diskussionen für Wettbewerb ausspricht, gilt oftmals als Vertreter einer unsolidarischen Ellbogengesellschaft.

Wichtig ist es jedoch, Wettbewerb als ein Instrument der Kooperation, eine gesellschaftliche Form der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil (J. Rawls) zu verstehen. Anbieter versuchen sich als beste Kooperationspartner im Kampf um die Kunden zu zeigen: "Kauf bei mir! Dann ist das für dich am vorteilhaftesten."

Da konsequenter Wettbewerb tendenziell zu Lasten der Unternehmensgewinne gehen kann, ist für Unternehmer die Versuchung groß, alles daran zu setzen, den Wettbewerb zu vermeiden beziehungsweise ihn auszuschalten. Wettbewerb als "geniales Instrument zur Entmachtung" (F. Böhm) kann nur dann funktionieren, wenn es ein wehrhaftes institutionelles Regelwerk gibt, das marktliche Wettbewerbsprozesse absichert und Spielregeln entwickelt, damit Spielzüge "geordnet" erfolgen können. Dies ist eine wesentliche Aufgabe der Wettbewerbspolitik. Die Gruppe der Kerzenmacher wie bei Frederic Bastiat gibt es zu jeder Zeit.

Kaminski, Hans


 
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